Highlanders Land Die „very basic- but nice – Tour“

Ein Bericht von Matthes

 

 

Es war Anfang 1999, als wir, mein Freund Thomas und ich, beschlossen, dieses Jahr nach Schottland zu fahren und dort einen 3-wöchigen Motorradurlaub zu verleben.

 

 

05.06.99

 

Mein erster Blick galt dem Himmel, hmm, bewölkt, aber es regnet nicht. So weit, so gut, hoffentlich bleibt es den ganzen Tag so. Vollgetankt und mit geprüften Luftdruck kann es nun endlich losgehen. Unser heutiges Etappenziel soll die Jugendherberge in Kleve sein, denn wir wollten nicht bis Rotterdam in einen Ritt durchheizen. Aber was heißt hier eigentlich „heizen“, mit unseren Koffern dürfen wir ja eh nur 120 km/h fahren.

 

Vor uns lagen ca. 430 km Fahrt. Ein großer Nachteil ist, dass wir für die ersten 60 - 70 km, bis zur Autobahn, fast nur Ortschaften auf unserer Route haben, also kommt man recht unflott voran. Nach knapp 1½ h haben wir es dann doch auf die Autobahn geschafft. Und es ist noch trocken. Aber es blieb nicht lange so. Ab ungefähr Kassel begann es zu regnen, mal mehr, mal weniger und es hörte bis Dortmund nicht auf. Sollte das etwa eine Einstimmung auf schottisches Wetter sein?

 

Auf jeden Fall wollte ein rechtes Urlaubsgefühl noch nicht aufkommen. In Kleve angekommen, waren wir natürlich viel zu früh da, denn die Jugendherbergen haben mittags geschlossen und öffnen erst später wieder. Wenigstens hat sich das Wetter gebessert. Was also tun? Relaxen und die Sonne in’s Gesicht scheinen lassen, wer weiß, wie oft wir dazu in Schottland noch Gelegenheit haben werden. Auf jeden Fall haben wir dann doch noch unsere Betten bekommen und konnten schon ein bisschen von Schottland träumen, zumindest ab der Zeit, als der Chor aufhörte, seine Choräle durch das Haus zu hämmern.

 

 

06.06.99

Und wieder galt mein erster Blick dem Himmel, das wird sich auch für die nächsten drei Wochen nicht ändern, von ein paar Ausnahmetagen abgesehen. Es war wieder einmal bewölkt, also war alles möglich. Jetzt ging’s erst mal zum Frühstück. Aber das war ja wohl das schlimmste, was ich jemals in einer JH als Frühstücks-Zeremonie erlebt habe. Man bekam seine Brötchen auf Zuteilung, jeder nur ein Brötchen. Aber was soll’s, dann essen wir eben Schwarzbrot. Einigermaßen gut gestärkt machten wir uns auf unsere ca. 150 km „lange“ Etappe zum Europoort-Terminal nach Rotterdam. Auf den niederländischen Autobahnen hatten wir mit erheblichen Seitenwinden zu kämpfen, und als der Himmel in Fahrtrichtung sich immens in’s Graue verfärbte, hielten wir und zogen vorbeugend unsere Regenklamotten an. Und wie es sich erwies, war das eine gute Idee, denn auf einmal, von einen Meter zum nächsten erwischte uns ein Wolkenbruch, der nach 10 min. wieder verschwunden war. Aber während dieser 10 min. hatten wir ganz schön leiden müssen. Wir suchten eigentlich eine Tankstelle, damit wir uns irgendwo unterstellen konnten, denn das Weiterfahren erschien uns ziemlich gefährlich, da vor allem die Lkws ihr Tempo nicht verringerten, sonder nur hupten. Sicherheitshalber sind wir auf dem Standstreifen weitergefahren, bis wir dann eine Tankstelle erreichten. Die ganze Fahrspur war ein einziger See. Nach ein paar Minuten war der ganze Spuk vorbei, und wir setzten unsere Fahrt fort.

 

Und kamen gegen Mittag am Fährterminal an, nachdem wir schon ca. 20 km nur durch Hafengelände gefahren sind (wir hatten uns nicht verfahren, Rotterdam besitzt den größten Seehafen des europäischen Festlandes). Auf jeden Fall hatten wir ein paar Stunden um uns auszuruhen, den Kaffeeautomaten zu plündern, unsere Sachen zu ordnen und was man eben noch so macht, wenn man Zeit hat. Wir durften dann auch als erste Motorradfahrer in die Fähre und unseren Motorräder in der oberen Etage abstellen. Nur gut, dass wir eigene Spanngurte mit Ratschen dabei hatten, so konnten wir unsere Maschinen sicher verzurren. Allerdings waren wir viel zu schnell fertig. Durchgeschwitzt und mit der Gewissheit eine Kabine mit Bett zu haben, gingen wir erst einmal duschen, was für eine Wohltat. Als ich dann an Deck an der Reling stand und dem Schiff beim Auslaufen aus dem Hafen zuschaute, stellte sich ein Gefühl ein: „So, jetzt hast Du Urlaub!“ - und ich fühlte mich gut.

 

07.06.99

Nach einer doch recht ruhigen Nacht mit relativ wenig spürbaren Seegang, genossen wir das ausgiebige Frühstück an Bord.

Als es dann soweit war, das man das Fahrzeugdeck betreten durfte, fanden wir unsere Motorräder, wie erhofft, stehend vor.

Und auch das Linksfahren stellte sich nicht, wie von vielen behauptet, als Problem dar.

Das Wetter war nicht gerade freundlich, es war neblig („Kleine Welt heute“ - bemerkte ein niederländischer Fährpassagier treffend) und es regnete. Es war kein starker Regen, eher so ein penetranter Dauer-Nieselregen. Aber der Vorteil war, wir haben damit gerechnet.Am heutigen Tag lagen 340 km Regenfahrt vor uns, bis wir im ersten größeren Ort auf schottischen Boden unsere Zelte aufschlugen. Und zwar auf dem Jedburgh Water Camping & Caravan Site

Wie wir später noch bemerken sollten, gibt es unter den schottischen Campingplätzen ein paar, die ihren eigenen kleinen „Zoo“ haben, hier waren es kleine Wildhasen, die so ohne Scheu vor den Campern über den Platz hoppelten und wenn man in den frühen Morgenstunden aus dem Zelt kommt, kann es passieren, dass man 10 - 20 Hasen zählen kann. Aber nichts desto trotz kann ich den Campingplatz in Jedburgh nur weiter empfehlen.

 

08.06.99

 

Es regnet nicht, und so können wir unsere Zelte trocken einlegen. Vom Warden (Campingplatzverwalter) erhielten wir 2 Ermäßigungen für ein Frühstück in der Jedburgh Whoolen Mill auf der anderen Straßenseite. Den nahmen wir natürlich dankend an. Zum englischen Frühstück hatten wir: gebackene Bohnen, gebratenen Schinken, Rührei, Toast (wahrscheinlich frittiert, so fettig wie der war) und Bratkartoffeln. Jetzt werden manche sagen,: „Das ist doch nicht komplett!“ - aber dazu später mehr.

 

Nach diesem ausgiebigen und fettreichen Frühstück fuhren wir weiter in Richtung Edinburgh. Unseren ersten Zwischenstop legten wir am „Scott’s View“ ein, wo wir für ein paar Minuten die Ruhe und den beeindruckenden Ausblick über die schottischen Borders genießen konnten, bis wir von ein paar äußerst tief fliegenden Tieffliegern wieder zurückgeholt wurden. Weiter ging’s, nach Melrose.

 

Von hier wollten wir eigentlich ein Backpacker-Hostel in Edinburgh buchen, aber da mein englisch nicht zu 100% telefonkompatibel ist, und ich darüber hinaus, wie gewünscht, keine Kreditkartennummer angeben konnte, verwarfen wir den Plan und suchten uns eben im ADAC-Campingführer wieder einen Campingplatz. Als wir nach entspannter Fahrt, ganz ohne Regen, in Edinburgh ankamen, sind wir erst einmal immer in Richtung City Centre gefahren, wo mir dann meine Erinnerungen an meinen ersten Schottlandaufenthalt 1996 weiterhalfen, und wir ohne Probleme den Weg zum Castle fanden. Wir hielten uns aber nicht lange auf und nachdem ein paar japanische Touristen sich freuten „ihre“ Motorräder zu sehen, machten wir uns auf den Weg zu unserem Campingplatz, es war der Mortonhall Caravan & Camping Park. Ein sehr schön gelegener ruhiger Zeltplatz etwas außerhalb der Stadt, aber durch die alle 15min fahrenden Busse ideal mit dem Zentrum verbunden. Das schöne an Mortonhall ist, es war mal ein ehemaliger Golfplatz und deswegen ist es leicht hügelig und wunderschön grün.

Ich fass’ es nicht, blauer Himmel und ganz angenehme Temperaturen. Ideal für einen Tag in Schottlands Hauptstadt.

 

 

Ein kurzer Schauer auf der Princes Street konnte uns ebenfalls nicht die gute Lauen vermiesen. Wir besichtigten zuerst das Edinburgh Castle, machten eine Stadtrundfahrt mit Guide Friday und verbrachten den Tag damit kreuz und quer durch Edinburgh zu laufen. Zur „Feier des Tages“ gönnten wir uns ein Essen in dem nicht gerade billigen Hard Rock Cafe (ein echtes). Aber ich dachte mir, da muss man auch mal gewesen sein.

 10.06.99

Wir haben den Zeltplatz noch um einen Tag verlängert und sind noch einmal in die Stadt gefahren, denn es gibt noch viele sehenswerte Einrichtungen in Edinburgh. Und das Wetter spielt heute auch wieder mit, anscheinend scheint in Edinburgh immer die Sonne, zumindest fast immer. Wir besichtigten den Palace Of Hollyroodhouse, Calton Hill, die Camera Oscura, The Museum Of Scotland and The Royal Museum Of Scotland.

Was für ein Programm. Klingt eigentlich gar nicht viel, aber es waren doch einige Kilometer, die wir so gelaufen sind. Ein Glück, morgen geht’s weiter.

 

 

11.06.99

Mein erster Gedanke war: „Na, so wie es heute morgen aussieht, werden wir wohl wieder eine Regenfahrt haben.“ Aber es sollte anders kommen, denn als wir aus Edinburgh in Richtung Norden rauskamen, klarte der Himmel auf. Wir nahmen die für Motorräder mautfreie, spektakuläre Forth Bridge (überspannt den Firth Of Forth) die parallel zur Firth Of Forth Railroad Bridge verläuft in Richtung Stirling.

 

Doch bevor wir da hin kamen, besichtigten wir noch kurz das Wallace-Monument. In Stirling angekommen, hielten wir uns immer in Richtung TI (Tourist Information), und die war zufällig (oder gewollt) direkt neben dem Castle. Die Besichtigung desselben sparten wir uns diesmal, denn wenn man ein paar Castles besichtigt hat, kennt man die anderen auch. In den meisten werden ja doch hauptsächlich nur Waffen, Bilder, Möbel etc. ausgestellt. Nach einer kurzen Rast und einem englischen Eis ging es dann weiter über Aberfeldy und Pitlochry bis zu unserem heutigen Zielort Blair Atholl. Und was soll ich sagen, es hat nicht einen Tropfen Regen gegeben. So kann das weitergehen.

 

 

12.06.99

In der Nacht fing es an zu regnen und es hat auch am Vormittag nicht aufgehört. Wir sind aber trotzdem nach Blairgowrie gefahren, denn da soll heute eine „Pipes & Drums - Parade“ stattfinden, die wir uns gerne ansehen wollen. Aber die nette Lady im TI sagte zu uns, dass das eine Veranstaltung von der örtlichen Schule sei, und sie nicht wisse, ob das bei diesem schlechten Wetter überhaupt durchgezogen wird. Also fuhren wir, ohne etwas gesehen zu haben, wieder zu unserem Campingplatz, das ist übrigens der „Blair Atholl Caravan Park“. Wir kochten uns wie fast jeden Tag unser Nudel-Fertiggericht und hofften, das der Regen nachlässt, denn eigentlich hätten wir noch einmal einkaufen fahren müssen. Aber es hörte nicht auf, und so saßen wir zusammen und fingen vor Langeweile an Unsinn zu erzählen, von wegen die Fähre umbuchen, 3 Wochen sind viel zu lang, und so weiter. Und irgendwann kam dann auch schon die Nacht. Na endlich.

 

13.06.99

Als wir aufgewacht waren, bemerkten wir zu unserem Erstaunen, dass es gar nicht mehr regnete. Aber als wir aus unseren Zelten krochen, fiel uns auf, dass der Wind jetzt aus der Richtung kam, in die er gestern Abend wehte. Da war unsere Befürchtung natürlich, dass das schlechte Wetter von gestern zu uns zurück kommt, aber ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Am Vormittag besichtigten wir Blair Castle, das direkt an unseren Zeltplatz grenzte, aber der Duke Of Atholl war wohl gerade nicht zu Hause. So war der Vormittag wenigstens auch vorüber gegangen. Nach einem warmen Mittagessen spielten wir ein bisschen Tischtennis (außerdem gab es noch ein paar Billard- und einen Kickertisch zur Freizeitgestaltung). Den Besuch der Bells Destille cancelten wir aufgrund des andauernden Nieselregens. Da kommt so eine schöne warme Dusche doch viel besser, zumal man dort oben so lange duschen kann wie man will, denn man braucht nicht, wie in Deutschland, für’s duschen zu bezahlen. Wir haben dann noch ein paar Klamotten durchgewaschen und zum trocknen in die Laundrette gehangen, denn morgen geht’s es endlich weiter, und wer weiß wann wir wieder einen Trockenraum haben.

 

14.06.99

Nach langer Pause in Blair Atholl ging es nun erst einmal weiter in Richtung Inverness. Unseren ersten Zwischenstop legten wir in Culloden Moor, kurz vor Inverness, ein.

 

Aber da auch dort, wie fast überall, ca. 6,00 £ Eintritt verlangt wurden, beließen wir es, ohne audiovisuelle Führung, bei einem kleinen Rundgang und ein paar Fotos. Dann ging es weiter nach Inverness, was nicht unbedingt auf dem nächsten Tourplan stehen muß, denn so toll fand ich diese Stadt nicht. Aus Inverness raus hielten wir uns auf der Nordroute um das sagenumwobene Loch Ness. Wir besichtigten Urquhart Castle, in dessen Nähe Loch Ness am tiefsten sein soll (knapp 230 m) und fuhren mal bei der offiziellen Nessie Ausstellung vorbei, wo so ziemlich alle Dokumentationen über Nessie-Sichtungen zu besichtigen sind, aber ein Eintrittspreis von 6,50 £ war uns dann doch zuviel.

 

Unsere Zelte bauten wir auf einem Campingplatz direkt am Ufer des Loch Ness auf, auf dem Loch Ness Camping & Caravan Site. Dieser Campingplatz wurde uns empfohlen, allerdings mit dem Hinweis: „It’s basic!“ - Wir fanden ihn recht „nice“. Und so entstand unser Motto der Tour.

Das Wetter war, bis auf 5 min Regen, eigentlich ganz in Ordnung heute. Nur meinen persönlichen Tiefpunkt des Urlaubs sollte ich heute erleben, denn ich habe mir in meinen Hinterreifen eine Schraube eingefahren, und verlor natürlich Luft. Ich kann gar nicht sagen, wie sauer ich war.

 

15.06.99

Heute ging es gleich frühs ab nach Fort Augustus. Da Fort haben wir nicht gesehen, aber ein zünftiges schottisches Frühstück gab’s in Fort Augustus. Gut gestärkt ging’s auf wunderschön zu fahrenden Straßen durch bis zum Eilean Donan Castle am Loch Duich. Als meistfotografiertes Castle Schottlands ist es in jedem Schottlandkalender enthalten, bekannt wurde es auch durch den Film Highlander I. mit Christopher Lambert. Eigentlich wollten wir in der Nähe unsere zelte aufschlagen und morgen dann auf Skye fahren, aber da es erst mittags war, beschlossen wir, auf Skye zu übernachten. Also fuhren wir bei Kyle Of Lochalsh über die neue Skyebrücke. Wir fuhren dann ein bisschen entlang der Küste und fanden einen Campingplatz an einem kleinen Fjord in der Nähe von Sligachan. Das war der „basicste“ Campingplatz überhaupt. Nachdem wir unsere Zelte aufgeschlagen hatten, wechselte das Wetter. Bisher war es sonnig, aber das was uns nun bevor stand, und noch die ganze Nacht und den nächsten Morgen anhalten sollte, wünsche ich eigentlich keinen Camper.

Wir hatten sogar am Abend noch unsere Motorräder mit Sturmleinen abgespannt, sicher ist sicher. Aber das größte Problem sollte mein Zelt darstellen, denn mit einem einfachen Igluzelt ist einem solchen Sturm nichts entgegen zu setzen. Der Sturm drückten das Außenzelt an das Innenzelt, und somit war der Wassereinbruch natürlich nicht mehr aufzuhalten, zwischenzeitlich drückte der Sturm die Zeltwand soweit ins Innere, das ich mich wie frisch geduscht fühlte. An Schlaf war natürlich kaum zu denken.

 

16.06.99

Skye ist sehr zu empfehlen, wenn man ein Wohnmobil hat

Der Nieselregen von gestern hat sich über Nacht in einen waagerechten Sturm verwandelt. Nach einiger Wartezeit und einem Gespräch mit dem Warden (Campingplatzverwalter) waren wir uns einig, dass das so keinen Sinn hat weiterzufahren, und wir Skye im nächsten Jahr noch einmal besuchen wollen, dann aber besser ausgerüstet. Bei dem Regen legten wir also die Zelte, in voller Ausrüstung, so schnell wir konnten ein, und gaben uns Mühe zu verschwinden. Am Himmel sahen wir einen hellen Fleck und das war unser Ziel. Wir fuhren immer Richtung heller Fleck. Aber sowie wir einmal anhielten, um etwas zu essen, fing es wieder an zu regnen. Wir waren uns einig, heute nicht zu zelten, sondern uns eine B&B-Übernachtung zu suchen. In Kinross, kurz vor Perth, wurden wir dann fündig, es war mittlerweile auch schon 17.00 Uhr. Ein schönes Quartier mit netten Leuten, einer warmen Dusche und einem Bett. Was für eine Wohltat.

Da wir den ganzen Tag vor dem uns verfolgenden Regen geflohen sind, hatte ich auch nicht wirklich das Bedürfnis verspürt, Fotos zu machen.

 

17.06.99

Ich traute meinen Augen nicht, strahlend blauer Himmel, soweit das Auge reicht. Das ist unvorstellbar. Gestern noch Weltuntergangsstimmung und heute so etwas. Unglaublich! Um 8.00 Uhr gab es dann wieder ein echtes schottisches Frühstück mit Cerials, Milk, Juice, Tea, Bacon, Toast, Sausages, Tomato and Haggis (den haben wir aber dann doch auf dem Teller gelassen). Wir nutzten das schöne Wetter und düsten nach Mortonhall (Edinburgh). Als wir dort ankamen, waren noch einige dabei abzureisen, aber das störte uns nicht. Wir breiteten als erstes unsere Zelte und unsere sonstigen durchnässten Habseligkeiten aus und es dauerte auch nicht lange, bis alles trocken war. Als wir alles soweit stehen hatten, suchten wir den Kawasaki-Händler in Edinburgh (ich hatte das Händlerverzeichnis mit), denn ich hatte ja noch die Schraube im Hinterreifen und musste jeden Abend und jeden Früh ungefähr 1 bar nachfüllen. Man sagte mir, dass so ein Reifen nicht repariert werden dürfe, da es ein Hochgeschwindigkeitsreifen sei. Der neue Hinterreifen sollte ca. 400,- DM kosten; das würde aber ein großes Loch in meine Reisekasse stoßen. Ich sagte, ich überlege es mir noch einmal und wir fuhren wieder zum Campingplatz. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich mir den Reifen nicht kaufen werde, die eine Woche werde ich auch noch schaffen, wir fahren eben etwas langsamer und müssen öfter die Luft überprüfen. Ich rief bei meinem Motorradhändler an, und bestellte den Hinterreifen, damit er auch gleich da ist, wenn ich wieder nach Hause komme. Den Rest des Tages vertrieben wir uns mit Kartenspielen.

 

18.06.9

Heute haben wir einen Ruhetag in Edinburgh eingeplant. Wir fahren mit dem Bus in die Stadt und wollen noch ein paar Museen abklappern. Was halt noch so sehenswert ist.

 

19.06.9

Ich hatte mein Zelt wieder nicht trocken zusammen bekommen, aber es wird schon noch trocknen, wenn es erst einmal aufgebaut ist. Wir fuhren aus Edinburgh in Richtung Osten und unser Motto heute war: „Der Weg ist das Ziel!“ Entlang der Nordseeküste kamen wir nach North Berwick, wo wir Mittag machten, es gab lecker Fish ‘n Ships. In North Berwick war gerade Stadtfest, oder so was ähnliches, auf jeden Fall war für 13.00 Uhr ein Umzug mit verkleideten Kindern geplant, den wir uns ansehen wollten (wo wir doch nun schon mal da sind). Es waren so 10 - 15 Kinder in den verschiedensten Kostümen, für die die Hauptstraße gesperrt wurde, und die durch die Straßen zogen. Wow, ich dachte mir, ob in Deutschland auch für ein paar Kinder eine Hauptstraße gesperrt werden würde?

Wohl kaum. - Weiter südlich kamen wir an ein Castle, Tantallon Castle, und auf dem Parkplatz trafen wir ein Biker-Paar, die den Urlaub noch vor ich hatten und hofften mit trockenen Hosen durch Schottland zu kommen. Na dann, viel Erfolg.

In der Nordsee, unmittelbar vor Tantallon Castle, befindet sich der Bass Rock, auf dem so ca. 12.000 Paare, der nach ihm benannten, Basstölpel brüten. An Dunbar vorbei, fuhren wir wieder in Richtung Landesinnere, und bevor wir irgendwo einen Zeltplatz suchen mussten, fuhren wir gleich wieder nach Jedburgh. Am Abend begann es, wie sollte s anders sein, zu regnen und der Regen hielt bis in die Nacht an.

 

 

20.06.99

Die letzten Tage wollten wir jetzt so richtig ruhig ausklingen lassen. Am Morgen gingen wir wieder in der Jedburgh Whoolen Mill frühstücken, aber es war nicht mehr so gut wie bei unserem Urlaubsbeginn vor 1 ½ Wochen, dafür aber doppelt so teuer.

Man merkt eben doch, dass jetzt keine Nebensaison mehr ist, wahrscheinlich beginnt Mitte Juni die Hauptsaison. Wir besichtigten Floors Castle in Kelso, ein Schloss wo Christopher Lambert als „Greystoke - Herr der Affen“ über die Dächer rannte und von Türmchen zu Türmchen hüpfte.

Nachdem wir den Sonntagsmarkt in Kelso besuchten, fuhren wir wieder nach Jedburgh in liefen noch einmal in die Stadt.

Nach ein paar Runden Kartenspielen und einem Abendbrot, welches einmal mehr aus Nudeln bestand, ging dieser Tag auch zu Ende.

 

21.06.99

 

Nach guter Nachtruhe (abgesehen von einem belgischen “Extrem-Schnarcher”) wurden wir etwas unsanft von einem Sägegatter aus dem Schlaf gerissen. Das Sägewerk begann um 6.00 Uhr am Morgen mit dem Lärm und das sollte sich vor abends 21.00 Uhr auch nicht wieder ändern. Nach einem preiswerten Frühstück, da selbstgemacht, verlängerten wir unseren Zeltplatz um eine Nacht. Anschließend fuhren wir, nachdem wir Dryburgh Abbey besichtigt hatten, nach Galashiels, wo uns ein mächtiger, aber zum Glück kurzer Schauer überraschte. Wieder in Jedburgh angekommen besuchten wir, zusammen mit Touri’s aus 12 Reisebussen die Jedburgh Whoolen Mill, um unsere Reserven an schottischen Banknoten zu dezimieren.

 

 

22.06.99

Heute hatten wir Schottland in Richtung Berwick - Upon - Tweed verlassen. Die englischen Borders waren ja auch noch ganz akzeptabel, aber was dann nach Bamburgh, mit seinem Castle direkt am Strand, auf uns zukam, ist in keinster Weise empfehlenswert. Industriemoloch (wie Thomas zu sagen pflegte) und Arbeitersiedlungen.

Wir fanden einen Campingplatz in Hartlepool, und waren mit 100 %-iger Sicherheit die einzigen Ausländer auf dem ganzen Gelände. Für uns war klar, sollten wir diese Nacht unbeschadet überstehen, würden wir direkt nach Hull fahren, und versuchen die Fähre umzubuchen. England weiter zu besichtigen, kam für uns nicht in Frage.

Wir bekamen kaum ein Auge zu, und nachdem am Abend ein paar Jugendliche mit ihren Kampfhunden auf der Wiese trainierten, lauschten wir jedem Geräusch. Aber irgendwie ging die Nacht dann zum Glück doch friedlich vorüber.

 

 

23.06.99

Ich weiß gar nicht mehr wann genau, aber ich glaube es war so ungefähr halb 6 morgens, als wir den Campingplatz verließen.

Wir waren froh, diese Nacht überstanden zu haben.

In Hull angekommen, fuhren wir gleich zum Terminal und versuchten die Rückfahrt umzubuchen.

Es hat geklappt, aber wir hatten keine Kabine mehr und die Schlafsessel waren auch alle belegt. Aber wir könnten uns doch auf den Couches in den Bars zur Ruhe betten. Das war uns dann auch egal, Hauptsache heim. Wir packten unsere Koffer so, dass wir nur eine Tasche mitnehmen mussten. Und es war eine ruhige Überfahrt.

 

24.06.99

Nach einem guten und reichlichen Frühstück ging es dann von Bord. Meine größte Sorge war der Hinterreifen. Werde ich es schaffen? Als wir die Fähre verließen und an der ersten Tankstelle den Reifen wieder füllten, sagte ich mir immer wieder: „Hoffentlich bis Deutschland, dann hilft mir der ADAC, hoffentlich bis Deutschland!“. Als wir dann die Grenze überschritten hatten, sagte ich wieder so zu mir: „Klasse. Na dann hoffentlich bis nach Thüringen, dann kann ich sie irgendwie mit dem Hänger holen.“ Zwischendurch prüften wir des öfteren die Luft und füllten nach. Aber wir schafften es auch bis nach Thüringen. Und ich sagte: „Na wenn ich es schon bis hierhin geschafft habe, dann kann es auch noch bis nach Hause klappen“ - Und es hat geklappt.

 

 

Fazit :

Wir waren uns sicher, im nächsten Jahr geht es wieder nach Schottland, aber dann nur für 2 Woche, das reicht auch. Aber bevor ich wieder nach Schottland fahre, muss ich meine Ausrüstung ausbessern!

 

 

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