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Irgendwann ging es dann ganz plötzlich los. Erst die "Moppedler" in den Fährenbauch, dann die "Dosisten", die Roller abgeladen, in Eigenregie vertäut und ab in die Kabine. Natürlich gab's noch einiges an Sucherei um die Kabine zu finden und Zeiten der Orientierungslosigkeit, es ist ja alles neu und unbekannt, aber ziemlich bald hatten wir uns eingeordet und standen auf Deck, um die Abfahrt zu beobachten.

Die Fähre ist mit Frühbucherrabatt und Viererkabine eine preiswerte Angelegenheit, 309 DM pro Nase, inkl. Roller, ist durchaus akzeptabel, spart man doch jede Menge Zeit und Kilometer auf dem Weg in den Norden der britischen Insel.

Unser Zielhafen, Newcastle upon Tyne, liegt etwa 150 km von der schottischen Grenze entfernt und ist ein beliebter Ausgangspunkt für viele Schottlandreisende.

Am nächsten Morgen in Newcastle Hafen angekommen, geht es zügig bei noch ganz leidlichem Wetter von der Fähre runter und rein in die Herausforderungen des Linksverkehrs.

Ich bin wohl etwas zu schnell weggekommen und habe nicht auf meine Weggefährten aufgepasst und schon habe ich sie nach den ersten paar roundabouts verloren. Das fängt ja gut an!

Schlau, wie Peter (OF) ist und Dank der modernen Kommunikationsmittel, sprich Handy, finden wir aber fix wieder zueinander und bleiben von Stund an dichter zusammen.

Das Wetter ist noch ganz OK, etwas kühl und windig, aber sonnig.

Wir hatten uns geeinigt, in Jugendherbergen zu übernachten, weil das noch die am ehesten erschwingliche Art der Unterkunft zu sein schien, bed & breakfast kostete in der Regel deutlich mehr, von Hotels ganz zu schweigen. Schottland ist sehr teuer!

Unser erstes Ziel ist, wir sind ja frühmorgens in Großbritannien gelandet, das ca. 300 km entfernte Arden am Loch Lommond, ein veritables Schloss.

Davor liegen aber noch, wie gesagt, 300 km und Glasgow.

Zunächst mal fahren wir, bei ständig schlechter werdendem Wetter, der Wind frischt auf, die Sonne verschwindet und macht Platz für immer stärker werdenden Regen, auf der A69 in Richtung Carlisle, parallel zum Hadrian’s Wall. Carlisle umgehen wir auf der A 6071 und düsen nordwärts auf der A74, an Lockerbie vorbei, in Richtung Glasgow.

Bei dem stärker auffrischenden Wind zeigt sich die 125er Kymco ernsthaft als Bremse, mehr als 80 km/h sind kaum noch drin; die 400ccm der Burgmänner und die fixe 180er Zweitakter Hexagon könnten doch einiges mehr. Aber, da wir im Urlaub und nicht auf der Flucht sind, und wir es außerdem vorher wussten und ausgiebig diskutiert hatten, stört uns das niedrige Marschtempo überhaupt nicht.

Unglücklicherweise schlage ich vor, durch Glasgow durchzufahren - es ist ja Sonntag und viel Verkehr ist nicht zu erwarten, .

Eine schlechte Entscheidung denn wir brauchen gut eine dreiviertel Stunde um durch die verstopfte Stadt durchzukommen. Thomas’ Roller ist mit seinen Koffern fast so breit wie ein Auto und mit durchschlängeln spielt sich da nix ab.

Schließlich landen wir, hinter Glasgow auf der A82 fahrend, doch noch in Arden und damit in der dortigen Jugendherberge Loch Lommond.

Die Jugendherberge ist tatsächlich ein Schloss wie man es sich vorstellt, und wir haben zunächst einiges zu besichtigen. Herrliche Umgebung und prima fish-and-chips in der örtlichen Bude entschädigen uns für das mittlerweile echt miese Wetter.

Der erste Tag war ein voller Erfolg: die Roller laufen prima, die Grundlage für einen Schnupfen ist gelegt, ich hatte dummerweise nur meine Lederjacke und Jeans angezogen und beides war gut nass geworden - und die Gegend ist einfach Klasse.

In Schottland findet der Sommer angeblich bereits im Juni statt, mit relativ wenigen Regentagen, obwohl die Wahrscheinlichkeit bei mehr als 250 Regentagen im Jahr nicht klein sein kann auch im Juni ein paar davon abzukriegen. Ich hatte mich auf eine Durchschnittstemperatur von 12°C eingerichtet und lag damit auch keineswegs falsch. Sehr viele Urlauber sind noch nicht zu erwarten und Unterkünfte zu finden ist zu der Zeit auch noch kein ernsthaftes Problem.

Am nächsten Tag sah es etwas erfreulicher aus, allerdings nicht für sehr lange. Unsere gute Laune konnte das nicht beeinträchtigen.

Frohgemut fuhren wir los, zu unserem Tagesziel, die Jugendherberge Ben Nevis in Fort William. Die Jugendherberge liegt unmittelbar am Fuße des höchsten schottischen Berges, des Ben Nevis eben, der mit 1.344 m fast ständig im Nebel liegt und dessen Spitze selten zu sehen ist. In Bezug auf Nebel lernen wir auch, dass der derzeitige Regen gar keiner ist sondern der übliche "early-morning-fog"!

 

Die Fahrt geht über Helensburgh, B832, und die A814 nach Tarbet, dort kurz auf die A83 bis Inveraray, auf die A819 bis Dalmally und weiter auf der A85 bis Connel. Dort führt uns die A828 nach North Ballachulish und die A82 schließlich, nach 300 km, nach Fort William.

Die Jugendherberge "Ben Nevis" ist fix gefunden und die die nassen Klamotten gewechselt.

Den ganzen Tag über hat es geregnet, die Temperatur bewegte sich so um die 10°C Marke herum und wir waren froh, dass die schottischen Jugendherbergen dem feucht-kalten Wetter Rechnung tragen und über große, sehr wirksame Trockenräume verfügen.

Die Jugendherbergen in Schottland haben ein prima Reservierungssystem, das gestattet, kostenlos die Reservierung für die nächste Nacht vorzunehmen. Die Übernachtung wird dann im Voraus bezahlt und das Bett ist sicher. Außerdem gibt es noch ein "Rabattmarkenbuch", d.h. eine Karte, auf der die Übernachtungen eingetragen und abgestempelt werden. Die elfte Übernachtung ist dann in einer Herberge eigener Wahl frei. Da die Preise durchaus unterschiedlich sind, hatten wir uns, nachdem wir das System begriffen hatten, die schönste, und auch teuerste, Jugendherberge als high light für den Schluss unserer Tour vorgenommen. Aber dazu später.

Den Abend verbrachten wir im Haus, wir hatten die Schnauze vom Regen voll.

Etliche Motorradfahrer waren dort im Aufenthaltsraum und wir kamen, natürlich, ins Gespräch.

Ein besonders Bedauernswerter hatte morgens bei einem Unfall sein Mopped geschrottet. Er hatte an einer Baustelle auf der rechten Straßenseite warten müssen und hatte vergessen wieder auf die linke Seite zu wechseln. Als ihm das in einer Kurve auffiel, war er schon bei dem entgegenkommenden BMW fast auf der Motorhaube. Sein Ausweichmanöver kam zu spät und die Maschine war Schrott. Er selbst hatte glücklicherweise nur kleine Blessuren erlitten und konnte sich schon wieder mächtig über seine Unaufmerksamkeit ärgern. Am nächsten Tag wollte er per Bahn zurück ins Schwäbische. Ein kurzer und teuerer sowie extrem unbefriedigender Urlaub. Seinen mitfahrenden und in Schottland weiter tourenden Kumpel mit seiner TDM sollten wir später wiedertreffen.

Peter (MA) daddelte den Abend über am herbergseigenen PC und informierte sich über das kommende Wetter. Mit trüben Aussichten!

Der nächste Tag ging, vom Wetter her, so weiter wie der gestrige aufgehört hatte, nur mit erheblich mehr Wind. Als wir auf der A830 in Richtung auf die Insel Skye zu fuhren, hatten wir häufig extremen Seitenwind und die entsprechende Schräglage. Wir waren ziemlich einsam auf der Straße. Offensichtlich war das Wetter selbst für schottische Verhältnisse ungewöhnlich.

Die Fahrt führte uns über sanft geschwungene und auch scharfkurvige Straßen und Peter (MA) zeigte uns, was sein "Ackergaul" konnte. Während wir gemütlich durch die Gegend schwuchtelten, fuhr er uns regelrecht davon.

In Mallaig, dem Fährhafen nach Skye angekommen, mussten wir hören, dass heute wohl wegen des Sturms keine Fähre mehr fahren würde. Für uns bedeutete das, dass wir die 60 km nach Fort William wieder zurück mussten.

Diskutiert, beschlossen, getan.

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