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Fortsetzung:
Bei
Makarska suchen wir uns Zimmer, satteln ab. Wieder bietet uns
die Wirtin Wein, Limonade, Kaffe, Kuchen und sogar selbst
gemachte Pfannkuchen an. Wir wollen noch los, nehmen nur die
Limonade.
Gegen 15 Uhr, hocken wir schon wieder auf den Moppeds,
fahren zum höchsten Gipfel der Makarska-Riviera, den Sankt
Jure. Innerhalb von rund 36 Kilometern steigt die Straße vom
Meer auf 1750 Meter. Zunächst kommen wir gut voran. Die Straße
ist kurvig aber griffig. Schon nach wenigen Kilometern müssen
wir ins Naturschutzgebiet abbiegen. Mit 40 bis 50 km/h
kriechen wir die asphaltierte, aber immer wieder schottrige
Piste mit den Haarnadelkurven hinauf. Schön vorsichtig –
Leitplanken gibt´s nur selten. Der Abgrund fällt tiefer und
tiefer, das Tempo auch. Schließlich sehen wir die ersten
Schneefelder, kurze Zeit später erreichen wir das Dach
Dalmatiens.
Wir parken die Maschinen auf der abschüssigen Straße,
sichern sie mit Steinen, damit sie nicht wegrollen und
umfallen können. Was für ein Panorama: Im Süden sehen wir
im Dunst am Horizont die Insel Hvar, im Osten und Norden die Hügel
der Herzegowina, im Westen die tiefen Täler, die der Fluss
Cetina im Laufe der Jahrmillionen in das Gebirge gegraben hat.
Im Schneckentempo kriechen wir auf der sandigen Strecke
Richtung Tal. Bei Einbruch der Dunkelheit kommen wir völlig
gerädert in der Pension an. Nach dem Essen in einem
Restaurant am Strand trinken wir mit Vinka, der Pesnionswirtin,
noch ein Glas Wein.
Am nächsten Morgen stehen wir spät auf, packen in aller
Ruhe und genießen das reichhaltige Frühstück, das uns Vinka
serviert. Sie hat für uns Palatschinken gemacht, kleine
Kuchen gebacken – einfach köstlich. Zum Abschied schenkt
sie uns noch zwei 1½-Liter-Flaschen mit selbst gemachtem
Roten. Eine können wir grade noch unterbringen, die andere
lehnen wir dankend ab.
Gemütlich fahren wir los. Ein letzter Blick auf die
Bergriesen direkt am Meer, dann schaukeln wir Richtung Split.
Kurz vor der Großstadt sehen wir uns nach einem Quartier um,
dann fahren wir nach Split.
Auf dem bewachten Parkplatz im Zentrum ist parken für
Motorräder verboten. Deshalb müsst ihr auch nichts bezahlen,
sagt der Parkwächter und verspricht, auf die Motorräder
aufzupassen. Die Helme dürfen wir in seiner Loge lassen.
Im Zentrum, direkt am Meer liegt der Palast des römischen
Kaisers Diokletian. Das Riesenreich der Römer war so gut wie
erledigt: England war verloren, die Germanen machten Aufstände,
ebenso die Ägypter. Bis Diokletian 284 zum Kaiser gekrönt
wurde. Er räumte auf: Feldzüge gegen die Germanen, Engländer,
Gallier und Ägypter, Eroberung von Persien. Zum Dank ließ er
sich in Split, in der Nähe seines Geburtsortes Solin, ein
nettes Häuschen hinstellen: 180x215 Meter lang, 18 Meter
hoch, 30000 Quadratmeter Wohnfläche, zehn Türme,
Bootsanlegestelle, Mausoleum. Bauzeit: zehn Jahre (von 295 bis
305).
Ein Großteil der Anlage ist noch erhalten, heute ist in
ihrem Inneren eine kleine Stadt mit Wohnhäusern, Geschäften,
Kunsthandwerkstätten und Kneipen. Bis spät in die Nacht
bleiben wir in der Palastanlage, genießen das Flair der
Stadt. Mehrmals setzen wir uns auf die Terrasse des Café
Luxor – hier ist´s einfach am Schönsten. Es liegt direkt
da, wo Kaiser Diokletian vor 1700 Jahren seine Empfänge
hielt. Heute ist es der beliebteste Treffpunkt in Split.
Für den nächsten Tag haben wir uns eine Zweistädte-Tour
vorgenommen: Trogir und Šibenik. In Trogir wohnt das
Mittelalter. Innerhalb der Stadtmauer gibt´s nur Gebäude,
die zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert erbaut wurden. Wir
bummeln durch die Stadt zum Trg Ivan Pavla II (Johannes-Paul-II.-Platz).
Es ist einer der schönsten Plätze Kroatiens - komplett
erhaltenes Mittelalter: an der Westseite ein Palast, südlich
ein Uhrturm, im Osten das Rathaus (alle 15. Jhd.) und im
Norden die Kathedrale, die zum größten Teil noch aus dem 13.
Jahrhundert stammt.
Nach der Geschichtsstunde im Schnelldurchlauf fahren wir
weiter nach Šibenik. Der äußere Schein täuscht: Am Rande
der Stadt ist viel Industrie, Hochäuser – wenn auch nicht
so gigantische wie in Split – begrüßen den Besucher. Am
Kai, direkt vor dem Seetor zur historischen Altstadt parken
wir.
Das
schönste Gebäude ist die Kathedrale St. Jakob. Das Gebäude
hat im Krieg einiges abbekommen, wurde aber inzwischen wieder
restauriert. Der Dom ist aus weißem Marmor und Kalkstein
erbaut, der von der Insel Bra`´c (südl. von Split) stammt.
Aus diesem Stein besteht übrigens auch das Weiße Haus in
Washington.
Wir staunen über die Baukunst der alten Kroaten. Wie sie
ausgesehen haben, sieht man am Dom sehr gut: Baumeister Juraj
Dalmatinac hat im 15. Jahrhundert über 70 seiner Zeitgenossen
mehr oder weniger originalgetreu auf der Fassade verewigt.
Nach dem Mittagessen am Hafen (4xPizza, 4xCola, 4x Kaffe,
Wasser, 40 Mark) fahren wir weiter, kurven Stunde um Stunde
auf der Küstenstraße nach Norden. Bei Posedarje, kurz hinter
Zadar, verlassen wir die Jadranska, biegen nach Pag ab. Abends
erreichen wir endlich unser Ziel: Novalja auf der Insel Pag.
260 Kilometer an einem Tag, zwei Stadtbesichtigungen – wir
sind völlig fertig, wollen nur noch eins: Essen und ein Bett.
Nach einem schnellen Abendessen im Ort fallen wir müde in
die Betten. Am nächsten Morgen ist ausschlafen angesagt. Die
Wirtin will uns kein Frühstück machen, also ab in die Stadt.
Dort ist ein Café am andern, fast alle sind gut besucht.
Auf der Insel Pag leben rund 7500 Menschen. Und 35000
Schafe - das ganze Jahr im Freien. Auf der Insel wächst neben
Wein und ein paar Olivenbäumen ganz oben im Nordwesten so gut
wie nichts. Nur ein bisschen Gras und würzige Kräuter, wie
Salbei oder Rosmarin. Das ist die Nahrung für die Schafe,
ihre Milch die Basis für den berühmten Pager Käse, der auf
der Insel schon seit dem 14. Jahrhundert hergestellt wird.
Ivan Gligora betreibt in Kolan, ca. sieben Kilometer südöstlich
von Novalja eine Käserei. "Die Milch, die Mischung aus
traditionellem Käsehandwerk und Industrie und die richtige
Lagerung für den Reifeprozess – das ist das Geheimnis des
Pager Käse", sagt der Ingenieur für Milchtechnologie.
Pager Käse wird auf der ganzen Insel angeboten, fast jeder
Haushalt auf dem Land stellt ihn als Nebeneinnahme her,
verkauft ihn am Straßenrand. Der Preis ist überall gleich,
rund 25 Mark kostet ein Kilo. Ob man den Käse in einer der
beiden Käsereien oder auf der Straße kauft ist
Geschmackssache. Ivan Gligora: "Käsekauf an der Straße
ist Glückssache. Er kann sehr, sehr gut, aber auch sehr
schlecht sein – je nach Verarbeitung und Erfahrung des
Herstellers. Der aus Käsereien schmeckt immer gleich."
Wir packen wiedermal die Moppeds, fahren weiter nach Rab.
Sie ist ganz anders als ihre kahle Schwester: grün, ein
einziger Garten. Wir machen einen Abstecher zur Stadt Rab, dem
Ort mit den vielen Kirchtürmen. Ausgerechnet dort wurde das
Nacktbaden in Kroatien erfunden. Der englische König Edward
VIII. – damals noch Prinz – besuchte mit seiner Frau
Wallis Simpson 1934 die Insel Rab. Wallis wollte unbedingt
nackt baden, doch das war streng verboten. Deshalb bat seine königliche
Hoheit die Behörden um Erlaubnis – die ihm selbstverständlich
gewährt wurde.
Nackte Prinzessinnen hin, schöne Strände her, für uns
ist Rab nur eine Durchgangsstation. Laut Straßenkarte vekehrt
in Lopar, am Ende der Insel, eine Fähre nach Krk. Fehlanzeige
– nur in der Hochsaison gibt´s eine Verbindung. Also wieder
zurück auf die Jadranska magistrale.
Die Straße ist sehr anspruchsvoll zu fahren. Viele Kurven
sind unübersichtlich, die Beläge wechselnd. Allerdings sind
sie gut berechenbar, die Radien bleiben gleich, nie macht eine
zu. Selten ist etwas Sand in den Kurven, schon häufiger tiefe
Längsrillen, die zwar die Fuhre gehörig ins Wackeln bringen,
doch mit etwas Nervenstärke problemlos zu meistern sind. Vor
engen Kurven oder Kehren gibt´s Warnschilder. Die Kroaten
fahren wie die Irren. Vor allem die Fahrer von Lieferwagen
kennen kein Pardon, fahren Zentimeter dicht auf. Da gibt´s
nur zwei Möglichkeiten: Gas geben, oder überholen lassen.
In Senj halten wir an und entscheiden: Genug für heute,
wir bleiben hier. Wir kurven durch die Gassen der Altstadt.
Nirgends ist was brauchbares zu finden, lediglich direkt unten
an der Straße ist ein Hotel. Das "Nehaj" benannt
nach der Burg, die über dem Ort wacht. Das Hotel hat leider
wenig vom Stolz der Burg: Die Uniformen der Angestellten sind
schon etwas vergilbt, Mobiliar und Architektur versprühen
eher sozialistischen Charme und selbst der ist schon ziemlich
verschlissen.
Uns bleibt keine Wahl. 64 Mark kostet das Doppel-, 47 das
Einzelzimmer inklusive Frühstück. Die Zimmer sind sauber,
das Bad geräumig, die Dusche heiß. Die Nacht ist furchtbar.
Pausenlos donnern Lastzüge am Hotel vorbei. Morgens um 6 Uhr
geht auch noch die Alarmanlage meiner BMW los. Als ich zum
Balkon spurte sehe ich niemanden. Doch in der Nähe steht ein
Reisebus – wahrscheinlich hat wieder mal einer mit den
Fingern geguckt.
Nach dem Frühstück gondeln wir auf der Jadranska Richtung
Nordwesten. 22 Kilometer vor Rijeka führt eine Brücke vom
Festland auf die Insel mit dem für uns unaussprechlichen
Namen Krk (kein Kroate sagt Krk, sondern ganz einfach Kirk). Für
zwölf Kuna (ca. 3 Mark) dürfen wir drüber. Krk ist ist die
größte Insel der Adria, ein Paradies für Urlauber: Es gibt
Sand- und Felsstrände, Campingplätze, Ferienwohnungen und
Hotels, Bootsverleih, Möglichkeiten für Wasserski und, und,
und. Wir klappern die Hauptstraßen ab, machen einen Tankstopp
in Krk. Zum Motorradfahren hat die Insel wenig Reize, nur die
Straße zum östlichsten Zipfel ist wirklich schön.
Wir setzen nach Cres über. Eine winzige Straße schlängelt
sich Richtung Süden. Es ist kaum Verkehr, wir genießen die
Fahrt. Bei Osor ist Cres über einen Damm und eine Drehbrücke
mit der Nachbarinsel Lošinj verbunden. Dort machen wir
Mittag, essen, lassen die Füße im kühlen Meer baumeln,
ruhen ein wenig aus.
Am Spätnachmittag setzen wir zum Festland über, zum
letzten Ziel unserer Reise: Opatija. Wir haben in den letzten
zehn Tagen über 2000 Kilometer auf zum Teil verheerenden Straßen
heruntergerissen, waren ständig auf Achse, nirgends länger
als zwei Tage. Wir sind dreckig, müde, haben Lust auf Luxus.
Den finden wir im besten Hotel des Ortes, dem Kvarner. Knapp
90 Mark kostet das Doppelzimmer, umgerechnet 64 ein
Einzelzimmer – inklusive Frühstücksbuffet. Wir satteln die
Moppeds ab und der Empfangs-Chef trägt uns persönlich das
Gepäck auf die Zimmer.
Bei einem letzten Abendessen lassen wir die Tour noch
einmal Revue passieren. Alle sind einer Meinung: Kroatien, die
raue Schönheit an der blauen Adria, ist eine zweite Reise
wert. |