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Kroatien: raue Schönheit an der Adria

eingesandt von Alfred Müller, Autor des gleichnamigen Kroatienreiseführers

 An der Küste Kroatiens, dem Land der Millionen unübersichtlicher Kurven, gibt es zwei halbwegs schnelle Fortbewegungsmittel: Motorräder und Schiffe. Wir wollen so schnell wie möglich zum Anfang der kroatischen Küstenstraße Jadranska magistrale, nach Dubrovnik. Von Rijeka sind das fast 700 Straßenkilometer – zwei Tage Fahrzeit. Die Fähre schafft das in 23 Stunden, und so beginnen wir unseren Motorrad-Urlaub auf einem Schiff.

 

In Dubrovnik suchen wir zunächst eine Unterkunft. Überall hängen Schilder: "Zimmer frei". Wir halten an einem weißen Haus mit Balkons. 15 Mark will der Besitzer für eine Übernachtung, fünf für das Frühstück. "Ich heiße Michael, und das ist meine Frau Milka. Wie die Schokolade", lacht der Pensionswirt und klopft allen auf die Schulter, nachdem wir zugestimmt haben. "Möchtet Ihr etwas Schnaps, Wein oder Limonade?", fragt er. Wir sind durstig, bitten um Limonade. Sie ist selbstgemacht, schmeckt wunderbar fruchtig. Nach einer kurzen Erfrischung geht´s los in die Altstadt.

Der Stadtkern von Dubrovnik wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Wir parken auf einem der bewachten Parkplätze an der Stadtmauer. Der Parkwächter hat nichts dagegen, dass wir die Helme in seiner Loge lassen und freut sich über ein paar Kuna Trinkgeld.

Beeindruckt stehen wir vor der gigantischen Stadtmauer: zwei Kilometer lang, bis zu sechs Meter dick und durchgängig rund 25 Meter hoch. Schon im 12. Jahrhundert hatten die Bewohner Dubrovniks (die Stadt hieß damals Ragusa, war ein Staat) mit dem Bau begonnen. Die Altstadt ist komplett Fußgängerzone.

Auf dem Pflaster, das im Laufe der Jahrhunderte von den Füßen der Spaziergänger so glatt wie Fliesen poliert wurde, flaniert alles, was laufen kann: junge, gut aussehende Mädchen, Familien mit Kindern, elegant gekleidete Städter, dazwischen Touristen in Freizeitklamotten. Überall auf den Straßen und Gassen stehen gedeckte Tische und Stühle, hungrig setzen wir uns.

Der Kellner spricht passables Deutsch und ist äußerst freundlich. Wir nehmen dalmatinischen Schinken als Vorspeise, verschiedenes gegrilltes Fleisch, dazu Wein und Wasser. Er bringt weiße Stoffservietten und auf Kosten des Hauses eine Vorspeise: frisches Weißbrot und Röllchen aus einer leckeren Fischcreme. Das Essen ist so hervorragend wie die Bedienung, die Rechnung überraschend: nur rund 40 Mark pro Person für das Menü und Kaffee. Satt und zufrieden bummeln wir zu den Moppeds zurück und freuen uns auf ein Glas Wein mit unserem Vermieter.

Michael wartet schon auf uns, schenkt von seinem selbstgemachtem Wein ein. Der 64-Jährige war, wie so viele Kroaten, Gastarbeiter in Deutschland. Von dem, was er sich erspart hatte, baute er sich die kleine Pension auf. Noch ein Glas, zum Abschied Schulterklopfen und Umarmungen. Dass Körperkontakt zwischen Gast und Gastgeber im Süden Kroatiens ganz normal ist, daran müssen wir uns erst noch gewöhnen.

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