Außerhalb von Finale Ligure lieg Finale Borgio,
dessen prähistorische Funde, die im Museum ausgestellt sind,
belegen, daß dieses Gebiet bereits in der Steinzeit von 60000
Jahren von Menschen bewohnt wurde.
Finalborgo ist jederzeit eine ausgedehnte Besichtigung wert,
das historische Stadtbild ist hervorragend erhalten und geht
größtenteils auf das 15. Jahrhundert zurück.

Borgo Finale - Innenstadt

Borgo Finale - Kardinalstugenden
Wir
fahren bis weiter Noli und genießen zunächst einmal den Rundgang
durch die kleine, 3500 Einwohner zählende, Stadt, die von der
Industrialisierung aufgrund der gebirgigen Lage weitgehend
verschont wurde, und heute sicher zu den Kleinodien der
italienischen Riviera zählt. Noli erlebte, ebenso wie Albenga,
seine Blütezeit als selbständige Republik und Seehandelsstadt im
Mittelalter. Unter genuesischem Schutz blieb Noli offiziell bis
1797 selbständig, wenngleich seine Bedeutung zu diesem Zeitpunkt
drastisch abgenommen hatte und die Fischerei den Haupterwerb
bildete. Von den einst vorhanden 72 Geschlechtertürmen, so
zumindest die Überlieferung, sind jedoch nur noch acht übrig.
Ausgesprochen reizvoll ist Nolis Zentrum, das zum Bummeln und
Flanieren regelrecht einlädt. Direkt gegenüber der Altstadt,
über die Via Aurelia hinweg, liegt der Strand von Noli, in
friedlicher Koexistenz mit den Fischerbooten, deren Besitzer
offensichtlich auf die Badefreuden Rücksicht nehmen und genügend
Raum für Sonnenanbeter lassen. Hier fanden wir einen der
schönsten Sandstrände unserer Reise und, weiteres positives
Moment, endlich einmal die Gelegenheit, einen offenen Strand zu
erleben. Üblicherweise sind leider weite Teile der ligurischen
Strände abgezäunt und mit kostenpflichtigen Liegen bestückt, was
sich unter Umständen schnell auch mal zu einem Kosten-Ärgernis
entwickeln kann, wenn man nur mal eben zwischendurch baden
möchte.

Noli - Geschlechterturm
Erwähnenswert entlang der weiteren Strecke, wenn auch nicht
sonderlich reizvoll, eher industriell geprägt, ist Savona,
Ausgangspunkt unserer Piemont Tour,
die uns zwei Tage weg von der Via Aurelia führte.
Zum Abschluß unserer Reise entlang der Via Aurelia besuchen
wir Genua - im Sommer 2001 berühmt berüchtigt ob der Krawalle
des G8 Gipfels - aber das hat die Stadt eigentlich nicht
verdient. Das kulturelle und ökonomische Zentrum der Region,
fast die Hälfte der Einwohner Liguriens leben hier, gehört
zwingend ins Reiseprogramm Liguriens. Hier pulsiert das Leben,
sehenswert sind dabei vor allem das Hafenviertel und die
Altstadt, für die man locker einen Besuchstag einplanen sollte.
Hat man erst einmal die industriellen Randbezirke hinter sich
gelassen, offenbart Genua seinen eigenen Charme.

Wir haben uns in Genua einen ganzen Tag gegönnt, hatten aber
dabei nicht das Gefühl, daß wir alles Sehenswerte wirklich
gesehen haben. Beeindruckt hat uns der Dom San Lorenzo, begonnen
um 1100 und 1550 fertiggestellt, dessen Kunstwerke im Inneren
faszinierten.

Der Dom zu Genua
In der Nähe des Doms finden wir die Piazza San Matteo, einen
der schönsten mittelalterlichen Plätze Genuas. Hier wohnte das
mächtige Geschlecht der Doria und baute sich eine eigene Kirche,
die Familienkirche San Matteo.

Palast der Doria
Einige Schritte weiter finden wir die Piazza de Ferrari mit
dem aus dem 19 Jahrhundert stammenden Operhaus.
Die
Altstadt Genuas offenbart die drastischen Unterschiede zwischen
Arm und Reich in der Stadt.
„Nach Geschäftsschluß fühlt man sich nicht mehr überall wohl,
denn in manchen Gassen sind dann zwielichtige Typen in der
Überzahl. Doch tagsüber ist die Alstadt belebt und sicher;
allenfalls vor Taschendieben sollte man sich
vorsehen."“(Christoph Hennig, Italienische Riviera - Ligurien,
DuMont Reiseführer)
Den Eindruck unseres DuMont Reiseführers fanden wir durchaus
bestätigt, beim Gang durch die Altstadt waren Glanz und Armut
nah beieinander gelegen und wir waren froh, nicht allein durch
die Gassen zu gehen. Beeindruckt hat uns insbesondere auch die
Via Garibaldi, benannt nach dem italienischen Freiheitshelden,
am nördlichen Rande des Altstadtkerns gelegen.
Spürbar war, auch eine Woche nach dem berüchtigten Genueser
Gipfel, die Nervosität der Sicherheitskräfte. Überall in der
Stadt Polizei, teilweise martialisch bewaffnet, vielleicht ein
Grund dafür, dass unser Motorrad trotz des ganztägigen, freien
Parkens erhalten blieb. Zu empfehlen ist dieses Risiko nicht,
alternativ gibt es bewachte Parkplätze, die zwar mit einigen
Kosten verbunden sind, dafür aber eine gewisse Sicherheit
bieten, das gute Stück auch nach dem Stadtbummel wiederzufinden.
Dennoch: Die italienische Riviera und die Via Aurelia zu
erfahren, ohne zumindest einen Tag Genua einzuplanen, wäre
eindeutig ein Fehler. Überhaupt, auch wenn die
Verkehrsverhältnisse im Sommer entlang der gesamte Via Aurelia
recht chaotisch anmuten, so entschädigen doch Landschaft und
Städte für manchen entgangenen Fahrgenuß. In Kombination mit
Touren ins Landesinnere ist ein Motorradurlaub in Ligurien und
Piemont ein absolutes Highlight. Und wenige Kilometer vom Meer
entfernt, finden Landstraßenfahrer ihr Revier, ohne permanenten
Überholstreß.