Östlich Imperias, mit Unterbrechungen bis Savona
reichend, beginnt, wie wir finden, eine der reizvollsten
Strecken der Via Aurelia, die uns immer wieder in reizvolle Orte
und Gegenden führt und teilweise auch, sofern es gelingt dem
Verkehrstrubel zu entfliehen, auch fahrerisch echte Genüsse
bietet. Mittlerweile habe ich mich auch den italienischen
Zweiradwagemutigkeiten etwas angepasst und mit einem gewissen
Erstaunen festgestellt, daß die italienischen Autofahrer
größtenteils recht gelassen mit uns Zweiradfahrern umgehen. Die
Gelassenheit, mit der die italienischen Autofahrer an den
städtischen Ampeln Horden von Rollerfahrern den Vortritt lassen,
scheint uns in dieser Form in Deutschland wenig wahrscheinlich.
Unsere nächste Station ist Cervo, dessen Gründung etwa auf das
11. Jh. zurückgeht. Hier erwartet uns, abgesehen von Noli, das
noch zu beschreiben ist, eines der schönsten Küstenpanoramen
unserer Reise entlang der Aurelia. Sehenswert hier vor allem die
spätbarocke Kirche San Giovanni Battista, die wir nach einem
schönen Fußmarsch durch das historische Zentrums Cervos
erreichen.

Blick auf Cervo

Im Inneren der Kirche von Cervo
Die nächste Station unserer Fahrt in Richtung Osten ist
Albenga, das uns mit einem wunderschönen Altstadtambiente
verwöhnt. Die großen Zeiten Albengas lagen im 11. - 13.
Jahrhundert, als die Stadt unabhängig und vom Reichtum der
Kaufleute und Handwerker geprägt war. Geprägt ist die Altstadt
Albengas durch die drei erhaltenen Geschlechtertürme, die
eindrucksvoll das Zentrum beherrschen. Das frühchristliche
Baptisterium, direkt neben der Kathedrale gelegen, stammt
vermutlich aus dem 5. Jahrhundert und ist eines der
bedeutendsten Bauwerke Liguriens. Im Inneren des Baptisteriums
findet sich ein Mosaik aus dem 5. Jahrhundert, mit
Christusmonogramm und drei umfassenden konzentrischen Kreisen,
die für die Dreifaltigkeit stehen.
Erstaunt hat uns, daß verhältnismäßig wenige Touristen die
angebotene Gelegenheit einer Führung wahrnahmen, was uns
netterweise die Gelegenheit einer ausführlichen Besichtigung
samt Erklärung, wenngleich auf italienisch bescherte. Sehenswert
in Albenga auch die Kathedrale, die wir im Anschluß an das
Baptisterium besichtigten.

Das Baptisterium von Albenga
Wir fahren weiter in Richtung Finale Ligure und entdecken
dort, abweichend von unserer geplanten weiteren Route, den
Hinweis auf die römische Via Iulia Augusta und lassen unsere
Neugier wecken. Mitunter sind die kleinen Abweichungen des
Lebens doch die interessantesten, wenngleich in diesem Falle,
die Mühsal deutlich vor den Kulturgenuß gestellt wurde. Doch der
Reihe nach: Während der erste Teil der Anreise in Richtung Verzi
noch unproblematisch verläuft, gerät der zweite so, daß ich mir
wieder einmal wünsche, statt mit einem Tourer mit einer Enduro
unterwegs zu sein. Das letzte Stück des Weges ist die reinste
Schotter- und Holperstrecke und ich überlege mehr als einmal,
was wohl passiert, wenn ich hier mit Reifenschaden liegenbleibe.
Die Reifen haben es überlebt und als Lohn der Mühsal entdecken
wir die wohl am besten erhaltenen römischen Bauwerke unserer
bisherigen Reise. Insbesondere die erste der fünf noch
erhaltenen Römerbrücken über das Flüßchen Ponci ist wirklich der
Besichtigung wert und wir gönnen uns eine längere Pause samt
Fußweg, schon als Erholung zur doch nicht so einfachen
Schotterstrecke.

Die römische Brücke bei Finale Ligure