In
Molini die Triora trauen wir unseren Augen nicht, direkt an
einer Strassenkreuzung entlang des Weges in Richtung Triora
sehen wir einen der ungewöhnlichsten kleinen Läden unserer
Reise, ein Kunterbunt aus Obst, Gemüse, Nüssen und eine Unmenge
Hexen laden uns ein, etwas heftiger auf die Bremse zu treten und
die nächstmögliche Parkmöglichkeit anzusteuern. Im Inneren des
Ladens treffen wir auf die Besitzerin, im klassischen Hexenlook
aufgemacht, die uns sofort mit Süssigkeiten und ihrer "latte di
lumache" (Schneckenmilch) aufwartet, na ja, als bewußt fahrender
Zweiradfahrer verzichte ich erst mal auf die latte die lumache,
denn sie riecht verdächtig nach Grappa, ein Eindruck, der sich
bei der später aufgemachten Flasche bestätigt. Randvoll bepackt
verlassen wir den Laden, und wissen immer noch nicht genau, wie
die charmante Besitzerin es geschafft hat, uns so viel mit ihrem
südländischen Temperament zu verkaufen.Wenige Kilometer
weiter liegt dann unser vorläufiges Tourenziel, Triora, hoch
über dem Tal der Valle Argentina. Hier überrascht uns erst
einmal ein heftiger Schauer, der uns zu einer Cappucinopause
nötigt, doch ebenso schnell, wie gekommen, ist das Unwetter auch
wieder verschwunden. Der Wetterwechsel ist rasch in den
Seealpen, und spürbar kühler als an der italienischen Riviera
ist es auch.

Die Gassen von Triora
Das Bergdorf selbst ist total eng gebaut und hat auch heute
noch eine leicht verwunschene Stimmung. Wir besichtigen
ausgiebig das sehenswerte Heimatmuseum, das den wohl
berühmtesten Teil seiner Geschichte ausstellt, die einzigen,
vollständig erhaltenen Akten eines Inquisitionsprozesses von
1588. Nach einer Mißernte wurden hier 15 Frauen zum Tode
verurteilt, weitere starben schon vorher an den Folgen von
Gefängnis, Misshandlung und Folter. Im Gemäuer des Museums sind
Szenen des Inquisitionsgefängnisses nachgestellt, Illustrationen
der Zeit und teilweise die Kopien der Handschriften des
Inquisitionsprozesses.


Die Qualen der Inquisition

Kopie der Listen der Hexerei angeklagter Frauen
Über die SP548 fahren wir weiter durch das Nervia Tal in
Richtung Pigna und Dolceacqua, wobei uns die Zeit etwas
davonzulaufen beginnt, so lange hatten wir uns in Triora
aufgehalten. Auch auf dieser Strecke sind die Straßen zumindest
teilweise nach den Unwettern in abenteuerlichem Zustand,
urplötzlich, nach einer Kurve, eine zur Hälfte weggebrochene
Fahrbahn, an den Rändern lediglich durch Felsbrocken und rote
Plastikbänder gesichert. Ein wenig Sicherheitsreserve behalten
wir uns trotz der absolut reizvollen Bergstrecke vor. Wir haben
auf unserer Tour richtig Glück; in Dolceacqua findet zur Zeit
unseres Besuches ein Markt statt, der in mittelalterlicher
Kulisse zum Bummeln einlädt. So erstehen wir denn auch noch
original ligurisches kaltgepresstes Olivenöl vom Ökobauern, auch
die gibt es hier, und genießen hausgemachte Spezialitäten.

Die Brücke von Dolceacqua
Über Dolceacqua hinaus ragt eine mächtige Ruine, ein Kastell,
erbaut im 12. Jahrhundert, das um 1260 von der Genueser
Adelsfamilie der Doria erworben wurde. Unterhalb der Ruine
spannt sich eine mittelalterliche Brücke über die Nervia. Wir
verbinden den Bummel über den Markt mit einer Besichtigung der
mittelalterlichen Stadt und bedauern, dass die fortschreitende
Zeit uns doch zu einer Begrenzung nötigt, aber wir wollen noch
vor Einbruch der Dunkelheit wieder in unserem Ferienhaus
ankommen und bis dahin sind es noch einige Kilometer zu fahren.
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Ligurien - Piemont
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