Im Lande der Trüffel und des Weines
Von der ligurischen Küste nach Alba
Unsere Tour beginnt in Spotorno, südlich von Savona an der
Via Aurelia gelegen. Östlich Spotornos bietet sich ein
wundervoller Blick aufs Meer, zumindest wenn man sich gen Westen
richtet. Östlich, in Richtung Savona beginnt leider auch schon
die Optik der Industrialisierung der Region das Bild zu
bestimmen.
So bedarf denn auch der erste Teil unserer Tour, die S 29 in
Richtung Carcare weniger der Beschreibung, wir sind froh, den
industriellen Teil der Region hinter uns lassen zu können. Ab
Cairo Montenotte ändert sich das Bild zunehmends, die Region
wird waldreicher und kurviger, doch, wie sich herausstellen
wird, ist das erst der Einstieg, es kommt noch besser. Nördlich
von Dego, über die n 30 erreichen wir Piana Crixia, das mit zwei
Sehenswürdigkeiten besonderer Art aufwartet. Leider ist die
eine, das Restaurant Castello del Fungo leider geschlossen. So
können wir dem Tip Petra Balzers (Die schönsten Routen an der
italienischen Riviera, unser Buch des Monats 06/2001) nicht
nachkommen, aber uns ist ohnehin eher nach Motorradfahren
zumute, so daß sich der Schmerz in Grenzen hält.
Die zweite Sehenswürdigkeit, den 15 Meter hohen Steinpilz,
lassen wir uns nicht entgehen.

Nördlich
Piana Crixia`s beginnt eine der schönsten Strecken dieser Tour.
Die Fahrt durch das Naturreservat Langhe di Piane Prixia wird
sowohl vom landschaftlichen, wie vom fahrerischen her zum
Erlebnis. Die Landschaft verkarstet zunehmends und der in
Ligurien in weiten Teilen üppig wachsende Wald wird hier
zurückgedrängt und macht einem malerischen Bild alpiner
Landschaft Platz. Wunderschön und kurvig, das swingen macht hier
wirklich Spaß, aber man sollte sich immer mal wieder die Zeit
für einen ausgedehnten Blick auf die Landschaft nehmen, sie ist
es wert. Abgelöst wird der Karst durch eine von sanften Hügeln
bestimmte Landschaft, deren herausragendes Merkmal der Weinbau
ist. Einen ersten Eindruck davon gewinnen wir auf unserer Fahrt
nach Bergolo, einem Künstlerdorf in den Bergen.

Das Künstlerdorf Bergolo
Leider sind die Mitnahmekapazitäten für Kunst auf Motorrädern
überdurchschnittlich beschränkt, so daß wir den Versuch, eine
der Ausstellungen zu besichtigen unterlassen. Zumal es um die
Mittagszeit und diese in Italien ohnehin eher eine Zeit der Ruhe
und Muße ist, denn der Geschäfte. Und eine Besichtigung ohne
Kaufinteresse scheint uns den Künstlern gegenüber auch nicht
sonderlich fair. Immerhin sind allein die Bilder an den
Hausmauern eine Besichtigung wert und Fahrt nach Bergolo ist
ohnehin ein Erlebnis.
Nordwestlich Bergolos beginnen wir von der vorgeschlagenen
Piemont-Route unseres Motorrad-Reiseführers abzuweichen und
widmen unser Interesse Landschaft und Kultur eines der schönsten
Weinbaugebiete Italiens, der Langhe südlich der Stadt Alba.
Über Monforte d`Alba, Roddino, Montelupo Albese und Diano
d`Alba führt unser Weg durch liebliche Weinhügel nach Grinzane
Cavour, eine mittelalterliche Burg südlich von Alba. Die Burg,
von quadratischem Grundriß, bietet schon von weitem einen
imposanten Anblick, auch hier sollte die Zeit und die Muße für
eine Besichtigung nicht fehlen. Die dort vorhandene Önothek
stellt alles, was bis zu diesem Zeitpunkt sahen, komplett in den
Schatten. Die in den Schaukästen ausgestellten Weine sind von
erheblichem Wert, wir wagen nicht auszurechnen, was hier an
Werten versammelt ist.

Das Schloß von Grinzane Cavour...

... und sein Weinkeller.
Wer möchte, kann probieren, ein Vergnügen, das wir angesichts
der noch bevorstehenden Weiterfahrt jedoch unterlassen, zumal
wir in Alba ohnehin eine Übernachtung mit Besuch eines
Restaurants und einer Önothek, die nicht nur Weine, sondern auch
erlesene Grappe der Region bieten, eingeplant haben. Für
motorradfahrende Weinliebhaber ist diese Gegend eben eine
ständige Versuchung - aber soviel Vernunft sollte angesichts der
teilweise recht abenteuerlichen Straßenverhältnisse und des
mitunter recht stürmischen italienischen Fahrstils schon
verbleiben. Mehr als einmal waren Reaktionsschnelligkeit und
Konzentration zur Unfallvermeidung angesagt, vor allem dann,
wenn man selbst einmal etwas schneller zugange war, die Kurven
sind alles andere als ausladend und mitunter kommen einem auch
schon mal Kleinlaster, PKW oder die in Italien weit verbreiteten
Roller auf der eigenen Spur entgegen. Letztere gehören mitunter
zur wagemutigen Sorte der mit Badeschlappen und T-Shirt
bewaffneten Zweiradkamikaze, was angesichts der Temperaturen
verständlich erscheint, im Falle eines Unfalls jedoch kaum die
Überlebenschancen erhöhen dürfte. Immerhin ist in Italien
mittlerweile die Helmpflicht eingeführt worden, und
offensichtlich wird diese auch mit Geldbußen durchgesetzt.
Sowohl Roller- wie auch Motorradfahrer halten sich jedenfalls im
Unterschied zu früheren Jahren daran.
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Ligurien - Piemont
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