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1. Tag

Am 29. Mai ist es endlich soweit. Wir laden die drei Suzukis – ich bin „nur“ als Sozia mit von der Partie – in einen Hänger und fahren zunächst nach Germering bei München. Wenn man, wie wir, in Ostholstein wohnt, ist der Weg in motorradfreundliche Gefilde weit. Und bevor wir uns schon zu Beginn eckige Reifen auf der Autobahn holen, ziehen wir die Alternative Pkw mit Hänger für die Strecke nach Süddeutschland vor. Nach unzähligen Tankstopps, der Diesel ist mit seiner schweren Fracht ausgesprochen durstig, und rund 860 ziemlich langweiligen Kilometern landen wir kurz nach 18.00 Uhr bei Gerd, einem lieben Freund, in Germering. Der backt mal eben frische Pizzabrote und verwöhnt uns mit leckerem Rotwein, Fleisch vom Grill, Salat und Aioli.

2. Tag

Am nächsten Tag steigen wir nach einem gemütlichen Frühstück auf der Terrasse auf die Suzis und starten endlich zweirädrig. Gleich die erste Tankstelle ist unsere. Die Maschinen waren schließlich ziemlich leer auf dem Hänger. Nun kriegen sie Kraftstoff für die bevorstehenden Kilometer. Auch der Luftdruck wird noch kurz geprüft. Man will für alles bestens gewappnet sein. Es geht über Starnberg nach Garmisch und dann auf der Bundesstraße 23 über die Grenze nach Österreich. Vorbei an der Zugspitze und dann zum Fernpass. Dort gibt’s die erste Überraschung. Der Pass ist gesperrt. Aber Hannes, pass- und jocherfahren, lässt sich nicht abschrecken. Und tatsächlich: Wir kommen mit den Moppeds durch. Wenn auch ein wenig Geröll auf der teilweise vom Schmelzwasser weggerissenen Straße herumliegt. Der Winter hat sichtbar schwere Schäden hinterlassen. Die vermeintliche Hängebrücke, die wir auf der linken Seite bewundern, entpuppt sich als normales Bahngleis, dem der Boden unterm Hintern weggespült wurde. Die Landschaft wird immer idyllischer. Imposante Berge mit Schnee auf den Gipfeln und Wiesen voller leuchtend gelbem Löwenzahn bestimmen das Bild. Dazwischen weiße Holunderblüten und knallroter Mohn.

„Durch das Ötztal hindurch an Sölden vorbei nähern wir uns der zweiten Herausforderung, dem Timmelsjoch“, heißt es im Tourbuch. Rechtzeitig erfahren wir, dass das Timmelsjoch noch gesperrt ist und wollen über den Reschenpass ausweichen. Also halten wir uns Richtung Landeck. Einmal mehr genießen wir das Motorradfahreraufkommen, das hier deutlich höher ist als in Norddeutschland. Man bekommt einen lahmen Arm vom vielen Grüßen. Die Atmosphäre ist toll! Über den Reschenpass erreichen wir bella Italia, oder besser gesagt Südtirol, was nicht wirklich italienisches Flair verbreitet. Der Cappuccino, den wir uns gleich hinter der Grenze genehmigen, schmeckt allerdings sehr italienisch. Lecker! Weiter geht's vorbei am Reschensee mit seinem eisblauen Wasser und dem darin versunkenen Kirchturm. Ein paar Regentropfen stören nicht, denn es ist wunderbar warm.

Um 18.00 Uhr treffen wir in Castelbello/Kastelbell ein und erhaschen einen Blick auf Reinhold Messners stolzes Schloss „Juval“. In der Pension „Feldhof“ finden wir zwei Zimmer. Da wir gerne gut essen, ist der „Gstirner Keller“ ein Muss. Das Gewölbe mit den langen Holztischen und -bänken verbreitet urig-rustikalen Charme, die Musik sorgt für den einen oder anderen Lacher. Die „Speck am Brett'l“-Portion ist mit oder ohne Käse eine Attraktion. Die Menge könnte eigentlich für den gesamten Urlaub reichen. Aber weil Schinken, Käse und das Bauernbrot so köstlich sind, bleibt nicht viel übrig. Der ländliche Rotwein, der in Liter-Krügen serviert wird, schmeckt natürlich auch dazu. Danach schläft sich's gleich doppelt so gut.

Tageskilometer: 311 Gesamt: 311

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