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Eine etwas längere Etappe führte uns dann an die Nordwesthalbinsel, einfach nur Westfjorde genannt. Dieser Teil Island gehört zu den einsamsten und unerschlossensten Teilen des Landes. 2.000 km Küstenlinie und dünne Besiedlung sind der Grund dafür, dass hier der Naturliebhaber die größten Vogelfelsen der Insel sehen kann. Der ganze Nordteil ist nicht an das Straßennetz angeschlossen und es leben auch keine Menschen in diesem Gebiet. Wer das Motorrad gerne einmal stehen lässt, der findet hier ein Wander- und Trekkingparadies vom allerfeinsten.

 

 

 

Die Fahrt entlang der Fjorde zog sich dementsprechend lang: rein in den Fjord, raus aus dem Fjord, rein in den…… ungefähr 75 km Luftlinie waren 200 km auf der Fjordstraße der 61, die sich größtenteils als Schotterpiste über knapp 350 km vom Hrùtafjord bis nach Ìsafjördur der größten Stadt im Nordwesten mit sage und schreibe 2.700 Einwohnern. Über Hochebenen und Lavafelder, an Gletschern und Fjorden vorbei schlängelt sich die 61 und hat bei uns sofort den Sprung in die TOP TEN der schönsten Straßen geschafft. Von den südlichen Westfjorden kann man mit einer Autofähre mit einer dreistündigen Fahrt durch die Schärenlandschaft des Breidafjödur, auf die Halbinsel Snaefellsnes nach Stykkishólmur gelangen (Ganz nebenbei spart man 350 km rein in den Fjord, raus aus dem Fjord, rein.. lassen wir das).

 

Auf der Halbinsel befindet sich der Vulkan und Gletscher Snaefellsjökull, der es als Einstiegsvulkan in Jules Vernes Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ zu literarischen Weltruhm geschafft hat. Das muss man sich doch näher ansehen und so befuhren wir die Piste F 570, die an der Ostseite des Vulkans fast bis zum Gletscher hochführt. Vom höchsten Punkt der Piste hatte man einen grandiosen Ausblick über den Vulkan und auf die Küste der Snaefellsnes.

 

 

 

Die folgende Etappe führte uns nach Reykjavik, es reichte gerade zu einer kurzen Stadtbesichtigung und einem Besuch der Blauen Lagune, einem geothermalen Schwimmbecken, dann packten wir die Kühe wieder und sahen zu, dass wir die Zivilisation wieder verlassen konnten.

Gut ausgebaute Strassen führen zu den Sehenswürdigkeiten, die durch die Nähe zur Hauptstadt auch dementsprechend überlaufen sind: Pingvellir, die altisländische Thingstätte, Versammlungsort und Nationaldenkmal des isländischen Volkes. Hier driften die eurasischen Kontinetalplatte und die amerikanische Platte auseinander, gut erkennbar an den aufgerissenen Spalten in diesem aktiven Vulkangebiet.

 

 

 

Die Straße führt weiter nach Geysir, dem Namensgeber aller Geysire und dem einzigen isländischen Wort in der deutschen Sprache und nach Gullfoss, dem goldenen Wasserfall, der über zwei Stufen über 31 m eindrucksvoll in die Schlucht stürzt.

 

Wir setzten unsere Fahrt weiter und wollten an diesem Tag noch Landmannalaugar, „das warme Bad der Landmänner“, erreichen. Wir wählten die schwierige Hochlandpiste F225, die von Osten in das Gebiet führt. Vier gefurtete Flüsse, weicher Lavasand und tiefe Schläglöcher verlangten hier dem Motorrad und dem Fahrer viel ab, zumal mit Beladung und vollem Tank. Kurz vor unserem Ziel tat sich ein phantastischer Blick über das breite Tal des Gletscherflusses Jökugilskvísl auf, umrahmt von schwarzen, roten und gelben Lavabergen. Aus der Lava fließt ein 70 Grad warmer Quellfluss, der sich mit einem kalten Gletscherfluß mischt. An dieser Stelle genossen wir bei morgendlichem Frost und strahlendem Sonnenschein unser Bad. Die Tour führte uns weiter zurück auf die Ringstraße nach Süden an den großen Gletschern vorbei, wobei der Vatnajökull mit über 8400 km² doppelt so groß ist, wie alle Alpengletscher zusammen. Dieser Gletscher kalbt in den Gletschersee Jökulsárlón, in dem riesige Eisberge, zwischen denen sich zahlreiche Seehunde tummeln, Richtung Meer treiben. Es gelang uns sogar ein Blick hinüber auf die Westmännerinseln. Fehlten uns nur noch die Ostfjorde.

Eine schöne Tagestour zum Abschluss unserer 3.200 Islandkilometer an den Steilküsten entlang führte uns wieder an unseren Ausgangsort und die Fähre legte zwei Tage später in Dänemark wieder an. In einer Sache waren wir uns unumstößlich einig: Island – noch einmal im Sommer 2005!

 

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