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Island im Sattel
 Text: Alexander Ehlert
Fotos: Dirk Pechstein Wo kann man besonders gut Motorrad fahren? Ob wir es mal mit
Island versuchen? Das altbewährte Reiseteam machte sich an die
Planung der Tour: Wie kommen unsere Motorräder dorthin, wie
müssen wir ausgerüstet sein, sind die Motoren unserer alten Kühe
wasserdicht und wie furtet man einen Gletscherfluss, ohne zu
ertrinken? Fragen über Fragen, die bald gelöst wurden und Anfang
August trafen wir uns in Hanstholm an der Nordspitze Dänemarks,
um die Fähre „MS Norröna“ nach Island zu besteigen. Nach zwei
ruhigen Tagen auf See erreichten wir die Färöer-Inseln. Hier
müssen Islandreisende für drei Tage das Schiff verlassen, weil
die Fähre noch einen Abstecher nach Norwegen und auf die
Shetlands macht, bevor es dann weitergeht. Ein wolkenloser
Himmel und 26 Grad an allen drei Tagen auf den Färöer machten
dieses Regenloch mit durchschnittlich 280 Regentagen im Jahr für
uns wider Erwarten zu einer tollen Einstimmung auf das, was die
nächsten zwei Wochen auf Island erwarten sollte.
Bei der Ankunft in Seydisfjördur begrüßte uns die Sonne. Was
niemand erwartet hatte, trat tatsächlich ein: wenn Engel reisen,
dann scheint die Sonne und zwar satt und während unserer
gesamten Reise über 3 ½ Wochen lang. Gut gelaunt bewältigten wir
den Aufstieg zur Nr.1, der Ringstraße, die über 1.411 km einmal
um die Insel führt, die etwa so groß wie Bayern und
Baden-Württemberg ist, aber anstatt 22 Mio Einwohner lediglich
280.000 hat. Von dort starteten wir unsere Tour über den Norden.
Das erste Etappenziel sollte der Mývatn, der „Mückensee“, sein.
Bei sensationellen 31 Grad und Windstille erfuhren wir bei
unserem ersten Tankstopp, dass der See seinen Namen dann doch zu
recht trägt: Schwärme von Mücken fielen über uns her, so dass
wir uns entschlossen, weiter nach Norden an die Küste zu fahren.
In Húsavík auf dem Campingplatz begrüßte uns gleich ein Berliner
mit „Wat macht der Ku-Damm?“, hatten wir uns mit einem
Kennzeichen doch verraten, dass wir aus eben dieser Stadt
kommen. Eine Tour mit einem Walbeobachtungsboot am Abend am
Polarkreis und die Rettung von einem auf einen Felsen gelaufenen
zweiten Beobachtungsboot bildeten den spektakulären Abschluss
des ersten Tages, wobei wir uns aber den Besuch des „Islandic
Phallological Museum“ dann gerade noch so verkneifen konnten.
Den nächsten Tag nutzten wir für die Fahrt des „Diamond Circle“
von Húsavík gen Norden an der Küste entlang durch den Àsbyrgi
Nationalpark und auf übelster Wellblech- und Sandpiste zum
Dettifoss, dem größten Wasserfall Europas, der einen wunderbaren
Canyon in die karge Lavalandschaft geschnitten hat. Innerhalb
des „Diamond Circle“ liegt ein Gelände mit über 700 km Wegen und
Pisten, von dem die Isländer behaupten: „This is where the god
of enduro lives.“ Und sie haben Recht.
Von dort stießen wir im
Süden wieder auf die Ringstraße und fuhren zum Vulkangebiet der Krafla, wo ein neuer Ausbruch längst überfällig ist, weil die
Magmakammer in nur 3-5 km Tiefe längst gefüllt ist. Mit dem
eigenartigen Bewusstsein auf einer gefüllten Lavakammer zu
stehen, setzten wir uns wieder in Bewegung und fuhren zum
Solfatarengebiet von Námaskard, wo es unverkennbar nach faulen
Eiern und Schwefeldioxid roch, dampfende und blubbernd kochende
Schlammpötte und Wasserdampfwolken uns ahnen ließen, was so im
Erdinnern abgeht.
Auf der Ringstraße ging es weiter bis Akureyi,
der zweitgrößten Stadt Islands. Auf dem Campingplatz, der mitten
in der Stadt liegt, schlugen wir unser Lager auf. In fast allen
Orten auf Island gibt es Freibäder, die mit warmem Wasser aus
geothermischen Quellen gespeist werden und in den Whirlpools mit
bis zu 42 Grad Wassertemperatur kann man die geschundenen
Bikerknochen richtig gut entspannen, ein besonders schönes war
direkt gegenüber von unserem Campingplatz.
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