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Griechenland 2004

Einleitende Worte:

Nachdem der Reisebericht keine Anreise nach Griechenland beschreibt, sollte ich vielleicht erwähnen wie ich dort hin gekommen bin. Hierzu solltet ihr auch den Reisebericht über die Ionischen Inseln lesen. Nachdem ich also über Italien und die Ionischen Inseln angereist bin, habe ich 3 Monate in Athen verbracht. In dieser Zeit hatte ich natürlich genug Zeit, mich an die griechische Mentalität, Fahrstil, Straßenverhältnisse und den Tagesrhythmus zu gewöhnen. Diese Möglichkeit werden wohl die wenigsten haben, aber ein paar Dinge möchte ich euch doch mitgeben. Nicht weil sie sonderlich wichtig wären, aber durchaus nützlich.

Gerade Athen ist bekannt für sein hektisches Treiben, den chaotischen Verkehr, den Smog und die Hitze. Das erste was ihr euch also angewöhnen solltet ist der regelmäßige Konsum vom Nationalgetränk Frappé, einer Art Eiskaffee aus massenhaft Nescafé und kaltem Wasser sowie Zucker und Milch nach Wunsch. Es ist eigentlich ein ideales Getränk für Biker, denn was wollt ihr denn in den ganzen Tavernen in den kleinen Ortschaften sonst trinken? Außerdem habt ihr euch nach ein paar Frappés auf die gleiche hektische Wellenlänge der Athener gebracht und man kommt wenigstens geistig mit dem Verkehr mit. Dann sollte man die Mittagshitze vermeiden. Ich habe mich über Mittag entweder in die Berge geflüchtet, oder am Strand einen einsamen Strand mit Schatten gesucht und Siesta gemacht. Ab 17:00 h kann es dann wieder weitergehen. Jetzt müsst ihr nur noch alle deutschen Verkehrsregeln zum Thema Spurwechsel vergessen und statt dessen zwischen den fahrenden Autos durchfahren. Wird’s zu eng ist ein Spurwechsel angesagt um dort zwischen den Autos weiterzufahren. Wichtig ist, niemals bremsen, sonst habt ihr verloren und steht. Dann wird’s schwer, sich wieder einzufädeln. Wer sich nicht traut weiterzufahren weil’s mal etwas enger ist, wird zum Hindernis für die anderen Biker.

An den Ampeln treffen sich die Biker dann kurz nach der Haltelinie, oft so weit vorne, dass keiner mehr die Ampel sehen kann. Braucht man auch nicht, denn die Autofahrer hupen eh, und zwar kurz bevor die Ampel grün wird. Und dann geben ca. 30 Biker Vollgas. Das klingt zunächst alles wie ein Alptraum, aber ich möchte es nicht verpassen, dieses System auch mal zu loben. Zunächst muss ich noch erwähnen, dass alle Verkehrsteilnehmer rücksichtsvoll sind und keiner auf sein Recht besteht. Hier wird von allen beteiligten ab und zu gegeben und gerade Biker werden oft vorgelassen. Des Weiteren ist die deutsche Fahrweise auf Grund des extremen Verkehrsaufkommens auch gar nicht möglich. Natürlich müsst ihr höllisch aufpassen und bei der Millimeterarbeit sollte man sein Motorrad gut und genau manövrieren können. Anfänger sollten auf den Stadtautobahnen bleiben oder im Morgengrauen mal reinschnuppern. Bei 40°C im Schatten sollte man auch nicht vergessen, dass dies ganz schön an die Substanz gehen kann. Wer’s aber mal raus hat, hat den Vorteil relativ flott kreuz und quer durch Athen fahren zu können ohne im Stau stehen zu müssen und das ist auch der Grund warum so viele Motorräder in Athen unterwegs sind.

Doch nun zurück zur Anreise. Wie gesagt, ich bin über Italien gekommen, aber wer in den Nordosten des Landes will, sollte vielleicht doch die Anreise über Jugoslawien in Betracht ziehen. Ich bin heimwärts über Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Österreich gefahren weil ich diese Länder auch sehen wollte. Das ist natürlich noch mal eine ganze Ecke mehr und wessen Zeit begrenzt ist, muss sich überlegen was ihm wichtiger ist. In diesem Zusammenhang möchte ich auch gleich mal noch mit den ganzen Vorurteilen und Sicherheitsbedenken aufräumen. Egal ob ihr über Jugoslawien, Rumänien oder Bulgarien fahrt, solange ihr auf den Hauptstraßen bleibt und tagsüber fahrt, kann euch eigentlich nichts passieren. Gerade in Rumänien und Bulgarien solltet ihr vor Allem wegen den schlechten Straßen und unbeleuchteten Fahrzeugen nachts nicht fahren. Das man ein voll gepacktes Motorrad nicht unbeaufsichtigt stehen lässt, halte ich nicht nur in diesen Ländern für selbstverständlich. Ich gebe zu, durch die vielen Horrorgeschichten und Warnungen des Auswärtigen Amtes auch verunsichert gewesen zu sein. Zumal ich alleine unterwegs war und eigentlich immer Zelten wollte, habe ich mich auch zielstrebig durch diese Länder bewegt, aber im Nachhinein bereue ich es ein wenig. Gerade Rumänien hat sehr schöne Landschaften und Städte. Es wird überall wie verrückt an den Straßen gearbeitet und in 1-2 Jahren werden wir hier ein wahres Bikerparadies finden. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Von anderen Bikern, die mehr Zeit dort verbracht haben, habe ich auch nur positives gehört. Vielleicht sollte man auch einfach mal über einen reinen Rumänienurlaub nachdenken. Das Land hat viel zu bieten.

Doch nun zu meiner Tour. Ich bin also wie gesagt von Athen aus weitergefahren und habe mich über die Autobahn A1 Richtung Thessaloniki auf den Weg ins Piliogebirge gemacht. Bei Volos geht es dann rechts ab und nachdem man Volos durchquert hat gibt es dann die Straße an der südlichen Küste entlang, oder über die Berge in Richtung Nordosten. Ich bin im Süden geblieben und bin gemütlich die Küste entlang getuckert. Entgegen vielfacher Empfehlungen hat mir die Südwestküste des Pilio besser gefallen. Der nordöstliche Teil ist zwar eine bemerkenswerte Abwechslung aufgrund des dichten Waldes und der steilen Küste, aber man kommt auch nur an wenigen Orten an das Meer heran. Wo dies der Fall ist, ist es immer gleich ziemlich voll und Sandstrand ist auch eher selten. Der Straßenbelag ist nicht der beste und es hat heftige Kurven ohne Leitplanke, dafür garantierten Freiflug von bis zu 1000 Metern. Will heißen, wer sich umsehen möchte, muss anhalten. Die Westküste hingegen ist eher kahl und flach. Die Straße schlängelt sich am Meer entlang und ist gut befahrbar. Immer wieder finden sich Gelegenheiten zur Erfrischung in einer Taverne oder im Meer. Der Zeltplatz in Milina liegt meines Erachtens ideal. Von hier geht die Straße noch bis an den südlichsten Zipfel nach Trikerion. Ein absolutes Muss. Die Straße ist genial und es folgt eine einsame Bucht nach der anderen. Superklares Wasser lässt einen bis auf den Grund sehen. In Trikerion geht noch ein Sträßchen an den Hafen runter. Macht Euch die Mühe und fahrt sie runter. Trinkt einen Frappé in diesem schnuckeligen Ort. Wer Pilio nicht umrunden will, aber von den Kurven noch nicht genug hat, muss sich die Strecke zwischen Volos und Tsangarada antun.

Weiterfahrt über Volos, Larissa, Trikala nach Kalambaka um die Meteoraklöster anzusehen. Die Strecke ist langweilig, aber die Klöster sind den Weg wert. Wer genug Zeit hat, sollte sich auf einem der beiden Zeltplätze niederlassen. Beide haben einen guten Ruf. Wer die Klöster besichtigen will, hat einiges vor. Man fährt von Berg zu Berg und kann dann in den Klöstern „umhersteigen“.

Wer unter Zeitdruck steht und in den Norden will, kann nach einem Stück auf der Bundestrasse 6 auf die neue Schnellstraße, oder über die B15 nach Grevena und dann auf die selbige nach Thessaloniki. So seid Ihr in zwei Stunden in Thessaloniki. Ich bin jedoch auf der B15 weiter nach Kozani. Dort dann auf die B3 über Servia Richtung Elasson. Kurz vor Elasson dann auf die B13 Richtung Katerini. Eine schöne Strecke die auf der Rückseite des größten Bergs Griechenlands, dem Olympos vorbeiführt. Wer noch mehr Zeit hat, fährt ab Servia nach Kastania. 4,5 Kilometer danach biegt Ihr links ab und weitere 12 Kilometer rechts über Fteri, Skotina und Fotina wo Ihr wieder auf die B13 kommt. Die ganz harten Endurofreunde unter uns bleiben gleich ganz in den Bergen und fahren weiter Richtung Norden bis Veria.

Der Küstenabschnitt zwischen Katerini und Thessaloniki hat wahrlich nichts zu bieten. In den Bergen lässt es sich auch wunderbar wild Campen. Es gibt immer wieder Quellen die einem mit Trinkwasser versorgen. Richtet euch darauf ein, morgens von neugierigen Ziegenhirten Besuch zu bekommen. Allerdings wird es nachts recht frisch in den Bergen.

Da ich Thessaloniki in der Mittagshitze erreicht hatte, hatte ich mich für die etwas nördlichere Route über Vasilika entschieden. Dauert kaum länger, aber jeder Höhenmeter ist bei voller Motorradkluft willkommen. Bei Agh. Prodromos dann der Beschilderung nach Sithonia folgen. Ich hatte ursprünglich vor, mir Kassandra und Sithonia anzusehen, aber nachdem mir alle erklärten, es sehe sich alles sehr ähnlich gäbe aber wesentlich mehr Tourismus hatte ich mich entschlossen, lieber noch Thassos ins Programm zu nehmen. Doch zunächst zu Sithonia. Alle schwärmen vom Nordosten, speziell vom Zeltplatz Armenistis. Tja, dementsprechend voll war er dann auch. Man darf nicht vergessen, es gibt nicht nur deutsche Touristen, sondern auch massenhaft überwiegend junge Leute die von Thessaloniki hierher kommen. Der Zeltplatz ist zwar schön und obwohl fast ausgebucht auch erstaunlich ruhig, aber eben doch eine Massenansammlung. Wer es ruhiger mag, kann sich kurz vor Sarti auf dem Zeltplatz Katarina mal umsehen. Der Strand besteht aus mehreren kleinen Buchten in wunderschönen Granitfelsen eingerahmt. Teilweise gerade mal groß genug für 10 Personen. Wunderschöner Blick auf Berg Athos auf dem dritten Finger Chalkidikies. Dieser ist übrigens nur für Männer zugänglich und das auch nur per Boot und mit vorher beantragtem Visa in Ouranoupoli. Hier hat es sage und schreibe 31 Klöster verschiedenster Glaubensrichtungen!! Mann muss schon gut zu Fuß sein, wenn man sie sich alle ansehen will.

Aber jetzt zurück zu Sithonia. Wer es noch ruhiger möchte, muß auf die andere Seite rüber. Zwischen Toroni und Marmaras hat es unzählige einsame Strände und mehrere Zeltplätze. Vom Süden her kommend, lohnt es sich für die Endurofreunde ab Tristinika die Strandpromenade entlang zu fahren. Sie wird ab Ortsende zur Staubstraße bis kurz vor Porto Carras. Eine Bucht schöner als die andere. Am Ende der Staubstraße dann eine supergeile Beachbar. „Poseidon Beach Bar“. Sucht euch einen Zeltplatz in der Nähe und trinkt einen “Sundowner” dort. Gute Musik und eine traumhafte Atmosphäre. Wenn Vollmond ist, wird der Abend zur Party erklärt und es wird Musik aufgelegt das der Strand wackelt. Idealer Chillout. Plant zwei Nächte dort ein und macht tagsüber eine Endurotour oder Jeepsafari durch die Berge. Oben gibt es eine super Taverne. Zu Essen gibt es was es halt gerade gibt und dazu den angeblich besten Wein Chalkidikis und Wasser. Sonst nix. Aber vergesst nicht, ihr müsst da auch irgendwie wieder runter ;-) Es gibt eine Straße entlang dem Bergrücken Sithonias und mehrere Zugänge von allen Seiten. Alle Straßen sind wunderschön und wer nicht gerade auf die kleineren abbiegt, kommt mit einer Enduro wunderbar voran. Man muss kein Profi sein um hier fahren zu können. Der Inhaber der Beachbar ist übrigens selbst Biker und kennt den Norden Griechenlands bestens. Er macht regelmäßig eigene Touren entweder mit seiner Suzi 800 BIG oder mit einem extra dafür umgebauten Suzuki Jeep. Er kann euch bestimmt noch mehr Tipps geben. Ansonsten kann ich noch 4 Kilometer von der BeachBar entfernt die Taverna Simon empfehlen.

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