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Das Frühstück am Sonntag ist etwas später, ich will
sowieso einen Lesetag einlegen, dann fällt mir ein Flyer über
ein Bisonreservat in die Hände: „Reserve des Bisons d’Europe“.
Das will ich unbedingt sehen, Bei der Abfahrt ist das Wetter
durchwachsen, ich brauchte nicht zu befürchten in der Sonne zu
braten. Ein Blick auf die Karte sagt mir, dass ich etwa 90
Kilometer Anfahrtsweg haben werde, also etwa 2 Stunden Fahrzeit.
In Mende nehme ich wieder die N 106 bis Serverette, weiter auf
der D4, die in La Roche in die D7 mündet. In Saint Eulalie sind
die Hinweisschilder nicht mehr zu übersehen.

Die Höhlenzeichnung vor ca. 32000 Jahren |
Auf 200 Hektar werden etwa 100 Bisons gehalten und gezüchtet.
Die Grundlage für die Ansiedlung von Bisons in der Margeride hat
der ehemalige Präsident von Polen, Lech Walesa gelegt. Er
verschenkte die Tiere an die Französischen Regierung. In einem
„La Maison du Bison“ wird die historische Geschichte der Bisons
in Europa ebenso behandelt, wie die Höhlenzeichnungen in der „
Grotte Chauvet“ über dem Ardèche-Tal.
Auf einem Pferdewagen fährt man durch das Reservat und kann
diese riesigen Tiere bewundern. |
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Nach dem Besuch im Bisonreservat gelangt man über die A75 sehr
schnell an die Truyére, ein Fluss, der hier
heute künstlich aufgestaut wird. Doch 1881 bis 1884 hielt sich
hier eine berühmte Person auf: Gustave Eiffel lief bei der
bahntechnischen Erschließung der Auvergne zur Höchstform auf und
erbaute für 3,38 Millionen Francs und unter Einsatz von mehr als
3.200 Tonnen Eisen, Stahl, Blei und Gußeisen den Viaduct von
Garabit, den "horizontalen Eiffelturm". Auf diesem Bau beruhte
übrigens seine Idee des Eiffelturm (erbaut 1887 bis 1889) für
die Weltausstellung in Paris . Wenige Kilometer weiter nördlich
gelangt man nach St. Flour, eine Stadt auf dem Basaltplateau und
Geburtsstadt des früheren französischen Staatspräsidenten
Georges Pompidou. Da es schon spät ist, umfahre ich die Stadt
und trete die Rückfahrt an.
Eine der nächsten Touren führt mich in die Wasserstadt „Fleur
des Eaux“ Florac. Felix sagt zwar Regen voraus, aber ich fahre
trotzdem. Wie immer nehme ich die Strecke über Mende, um mich
mit Baguette, Wurst oder Käse, Tomaten, Obst und Wasser
einzudecken. Das ist übrigens einer der schönsten Momente im
Tagesablauf, das Finden einer gemütlichen Stelle, wo ich mit
Genuß essen und die Natur pur genießen kann. Ich fahre Richtung Villefort, nehme aber für die Weiterfahrt
nicht die Départementstrasse D906, sondern biege auf die D66. In
Prè de la Dame, ein Hof mit 3 Häusern biege ich rechts ab, ich
will zu der Stelle wo der Tarn aus dem Felsen kommt. In der
Hälfte des Weges überquere ich den Gourdouze, dessen Quelle auch
hier in der
Nähe ist. An einem Parkplatz geht es nur noch zu Fuß weiter,
nach etwa 300 Metern führt eine Treppe nach unten. Während man
die unterschiedlichen Stufenhöhen aus Balken und Steinen mit
höchster Konzentration
hinter sich bringt, hört man bereits ein Rauschen; und dann
steht man plötzlich vor ihm - dem Tarn.
In einer Cascade kommt er aus dem Berg und verschwindet nach 50
Metern im Fels Richtung Florac, wohin ich auch will. Auf der
D362 fahre ich weiter Richtung Génolhac um dann auf der D998
über le Pont de Montvert nach Florac zu gelangen.
Zwischenzeitlich lässt sich die Sonne wieder blicken, es ist
schwül, ein Gewitter liegt in der Luft.
Florac wird gerne als das Tor zu den Causses bezeichnet, nicht
zu Unrecht, denn die fünftgrößte Stadt des Départements Lozère
liegt in unmittelbarer Nähe des Mont Lozère und des Gorges du
Tarn. Kurz hinter Florac münden Tarnon und
Mimente in den Tarn. Alle drei Flüsse bieten an vielen Stellen
die Gelegenheit, für ein kühles Bad. Florac hat nur knapp 2000
Einwohner und lebt vor allem vom Tourismus, Naturliebhaber
kommen durch die nahen Causses, die Gorges du Tarn und nicht
zuletzt durch den Parc National des Cévennes voll in den Genuß
einer noch intakten Naturlandschaft. Nordöstlich von Florac, rund um den Mont Lozere, erstreckt sich
auf einer 91.000 Hektar großen Kern- und einer 240.000 Hektar
großen Randzone der Parc National des Cevennes. Im Jahre 1970
wurde dieses
Herzstück der Cevennenlandschaft zum Nationalpark erklärt, um es
unzerstört für die Nachwelt zu erhalten. Die Voraussetzungen
sind günstig, denn die Kernzone wird nur von etwa 600 Menschen
bewohnt.
Die Fauna und Flora im Nationalpark sind sehr vielfältig, da
hier verschiedene Klimazonen - warm und trocken in den Tälern
des Gardon, feucht und kalt am Mont Lozere - zusammentreffen.
Insgesamt leben mehr als 1.200 Pflanzen- und 150 verschiedene
Vogelarten im Nationalpark. Zudem wurden viele verschwundene
Tierarten wie Hirsche, Auerhähne und Biber wieder angesiedelt.
Die Verwaltung des Nationalparks ist im Schloss von Florac
untergebracht. Ein Informationszentrum beschreibt die
Zielsetzungen des Parks, stellt die verschiedenen Landschaften
vor und gibt Auskünfte über Wanderungen und Führungen.
Reich geworden ist der Ort vor allem durch die Viehhändler und
die Schafherden, die von den Höhenzügen
der Cevennen zu den Weideflächen auf dem Aubrac und Margeride
unterwegs waren.
Inzwischen hat ein warmer Sommerregen begonnen den Durst der
Pflanzen zu löschen. Da ich keine Lust habe mein Regenzeug
anzuziehen, aber auch meinen Durst löschen will, lasse ich mich
von einem Mönch inspirieren, der mir lachend ein Bier entgegen
hält. Es ist übrigens das erste und das letzte Bier, das ich
während der Tagestouren trinke, denn bei den Temperaturen steigt
das Bier leicht zu Kopf. Das Ergebnis ist, man sieht Autos die
es gar nicht mehr geben dürfte, aber in Frankreich ist alles
möglich.
Gorges du Tarn
Wer den Grand Canyon du Verdon in den Alpen der Provence
gesehen, erwandert oder mit einem Kanu befahren hat, weis um die
Kraft des Wassers, sich in hunderten von Jahren in Kalk-,
Schiefer- oder Granitfelsen einzugraben. Zurückgeblieben sind
beeindruckende Schluchten, auf deren Grund ein Fluß zahm dahin
fließt.
Zusammen mit den Gorges de l'Ardeche gelten die Gorges du Tarn
als die eindrucksvollste Schluchten-landschaft in der Region
Languedoc-Roussillon. Stellenweise hat sich der Tarn ein
teilweise mehrere hundert Meter tiefes Bett in das steinige
Hochplateau der Causses gegraben. Der Tarn entspringt am Mont Lozere in 1.575 Metern Höhe als
reißender Gebirgsbach. In seinem Unterlauf bildet er die Grenze
zwischen der Südflanke des Lozere-Massivs und dem Bouges-Gebirge.
Die eigentlichen Gorges du Tarn beginnen erst hinter Ispagnac
und trennen die wasserarmen Kalksteinplateaus Causse Mejean und
Causse Sauveterre, deren Bewohnern das grüne Tal des Tarn mit
seinen Obstbäumen und Weingärten wie eine Oase erscheinen muss.
Steil fallen die Causses zu den Gorges ab - in den Felswänden
der bis zu 500 Meter tiefen Schlucht sind zahlreiche Grotten und
Höhlen auszumachen -, der Ufersaum ist denkbar knapp bemessen.
Für die Dörfer selbst scheint kaum Platz zu sein, oft kleben die
Häuser mit ihrer Rückwand direkt am Fels. Erst hinter Le Rozier
wird die Schlucht breiter, bis Millau ist der Flusslauf dann
weniger spektakulär. Der Tarn
selbst fließt anschließend weiter nach Albi und mündet
schließlich bei Montauban in die Garonne. In den Gorges du Tarn gibt es viel zu entdecken: Die malerischen
Dörfer wie Sainte Enimie haben sich ihren eigenen Charakter
bewahrt und fordern geradezu auf, eine Pause einzulegen, in
einem der Cafes die Seele baumeln zu lassen, das Treiben der
Touristen zu beobachten und in Ruhe einen Pastis zu trinken.
Lange Zeit war der Tarn auch der einzige Transportweg der
Region. Erst 1905 wurde eine Straßenverbindung von Sainte Enimie
nach Le Rozier fertig gestellt, denn hier ist der Flussverlauf
am unwegsamsten. Die Straße (D 907) verläuft am rechten
Flussufer, das linke Flussufer muss man zu Fuß erkunden, wobei
der Weg oft direkt unterhalb der Steilhänge verläuft.
Besonders intensiv ist das Tarn-Erlebnis natürlich bei einer
Fahrt mit dem Kanu oder Kajak.
Die Abfahrt von den Causses geht über Serpentinen.
Eine Kanutour auf dem glasklaren Fluss gehört gewissermaßen zum
Pflichtprogramm. Je nach Wasserstand und Strömung ist eine Fahrt
mehr oder weniger beschwerlich. Als Single kann es da ganz
nützlich sein, sich einer Gruppe anschließen. Weil die Boote nun
mal Zweisitzer sind, ist häufig ein Mann oder eine Frau zuviel.
Die sind dann sehr froh einen zweiten Ruderer zu haben. Dass man
zum Essen eingeladen wird, wenn unterwegs eine Pause eingelegt
wird, ist selbstredend.
Im Hochsommer, wenn der Tarn recht träge dahin fließt, schaben
die Boote über die Kieselsteine im Flussbett.
Dann ist Geschick beim Steuern und Kraft beim Rudern gefragt,
wehe man hat einen Partner oder eine Partnerin erwischt, die
links und rechts nicht auseinander halten kann. Deshalb mein
Tipp, immer den Platz hinten im Boot besetzen, dann kann man das
ganze dirigieren. Nach heftigen Gewittern schwillt der Tarn allerdings sehr stark
an und wird zu einem gefährlichen, Hochwasser mit sich führenden
Strom. Deshalb ist die beste Jahreszeit für eine Kanutour das
späte Frühjahr , dann ist auch im oberen Flussabschnitt stets
ausreichend Wasser unter dem Kanuboden. Bei den Kanutouren kann man zwischen 2 Stunden und 2 Tagen
wählen. Ich wähle die Halbtagestour von Saint Enimie bis nach La
Malène, das sind 13 Kilometer und kosten 16 Euro. Diese Tour
reicht um die Größe der Schluchten, ein Bad im Tarn und eine
ausgedehnte Pause mit Essen und Trinken zu genießen.
Auf keinen Fall darf man den Fotoapparat vergessen, denn die
Strecke ist ein ständiger Wechsel zwischen Licht und Schatten.
Die besten Lichtverhältnisse herrschen am Vormittag, wenn die
Sonne noch lange Schatten wirft und die Strahlen einem nicht die
Haut verbrennen. Am Zielort werden die Boote auf Hänger verladen, wir nehmen in
Kleinbussen Platz und zurück geht es nach Saint Enimie. Dieses
malerische Dorf ist gewissermaßen die „Hauptstadt“ der Gorges du
Tarn und Ausgangspunkt für die meisten Kanutouren auf dem Fluss.
Das Dorf zieht sich einen steilen Berghang hinauf, es ist der
einzige Weg der Ausdehnung. Im 14. Jahrhundert lebte hier die
heilige Enimie, zurückgezogen in einer Höhle. Heute entgeht man
dem sommerlichen Rummel nur schwer, wenn die Urlauber einfallen.
Deshalb fällt es mir nicht schwer, nach einem kühlen Perrier,
die E-Glide zu besteigen und uns beide etwa 400 Meter nach oben
auf die Hochebene zu bewegen. Eine gute Stunde später bin ich in
meinem Quartier und kann das lang ersehnte kühle Bier trinken. So sind die Tage vergangen und am 4. August heißt es Abschied
nehmen von Anita, Felix und natürlich von DUC. Es waren
wunderbare Tage, aber jetzt geht es für den Rest des Urlaubs in
die Provence, genauer gesagt nach Beaucair. Auf dem Weg dorthin
werde ich den Tarn noch mal von der Straße aus genießen können.
Lange Zeit war der Tarn der einzige Transportweg der Region.
Erst 1905 wurde eine Straßenverbindung von Saint Enimie nach Le
Roziere fertig gestellt. Diese Strasse, die D907 fahre ich jetzt
in der Vormittagssonne Richtung le Rozier.
Vorbei an faszienierenden Felsfomationen, durch mühsam in den
Fels geschlagene Viadukte folge ich dem
Tarn bis le Roziere. Am Gorges de la Jonte geht es weiter
Richtung Meyrueis. Etwa auf halber Strecke, am
Roc Saint Gervais tauchen sie dann am blauen Himmel auf und
ziehen träge, die Aufwinde ausnutzend, ihre Kreise. Es ist nicht
ungefährlich bei diesen engen Straßenverhältnissen, seine
Aufmerksamkeit ausschließlich den Geiern zu widmen. Aber es ist
einfach grandios, man fühlt sich in die Anden versetzt. Es
dauert nicht
lange und eine Traube von Menschen steht am Straßenrand und
blickt andächtig und staunend in den Himmel. Trotz ihrer 3m
breiten Schwingen sind die Gänsegeier nur als Punkte
auszumachen, da hilft auch kein Tele-objektiv.
In den Schluchten der Jonte lebt eine größere Population von
Geiern. In dem Dorf Le Truel, das wenige Kilometer hinter mir
liegt gibt es den Parc Belvédère des Vautours, dort kann man die
faszinierenden Raubvögel mit einem Fernrohr beobachten.
Inzwischen ist die Population der vor mehr als 20 Jahren
ausgewilderten Vögel auf fast 100 Exemplare angewachsen. Da
längst nicht mehr genug Aas durch abgestürzte Schafe vorhanden
ist, müssen tote Tiere an abgelegenen Stellen deponiert werden.
Die Gänsegeier sind jedoch nicht die einzigen
Raubvögel, die ihre Kreise über den Gorges de la Jonte ziehen.
Mit etwas Glück lassen sich auch Königsadler, Wander- und
Turmfalken sowie Schlangenadler beobachten.
Schweren Herzens setze ich meine Fahrt fort, wer hat sich nicht
schon gewünscht, fast schwerelos in der Luft zu schweben, alles
hinter sich zu lassen und die unendliche Freiheit der Lüfte zu
erleben. Nachdem ich in Meyrueis noch etwas Obst und Wasser geordert
habe, fahre ich am Rande der Causse Noir auf der D 986 dem Col
de la Sereyrède entgegen, der mich in 1299 Metern Höhe erwartet.
Bevor ich aber den Pass wieder Richtung Süden verlasse, mache
ich noch einem Berg meine Aufwartung, der die höchste Erhebung
der südlichen Cevennen ist – der Mont Aigoual mit seinen 1.565
Metern.
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| Der Autor auf dem Mont Aigoual |
Am Tag meines Besuches ist der Gipfel nicht wie so oft in Wolken
gehüllt, sondern ziemlich klar, dafür weht aber ein ziemlich
rauer Wind. Meine Marinezeit liegt zwar schon einige Jahrzehnte
zurück, aber Winstärken kann ich noch gut einschätzen, ich tippe
auf Windstärke 9 – 10. Ich bitte einen Touristen ein Foto von
mir am Rande des Observatoriums zu machen. Trotz des großen
Gebäudes muß ich mich an einer Krüppelkiefer festhalten, um
nicht weg geweht werden. Bei guten Wetterverhältnissen, bietet sich eine grandiose
Fernsicht, die vom Mont Blanc bis zu den Pyrenäen und dem rund
80 Kilometer entfernten Mittelmeer reicht. Ungewöhnlich viele
Wohnmobile sind auf dem Gipfelparkplatz zu sehen. Von einem
Schweizer erfahre ich, dass man von hier oben ein Viertel von
ganz Frankreich überblicken kann. Viele der Wohnmobilfahrer
kennen sich, sie verbringen auf dem Gipfel einen Teil ihres
Urlaubs. Der Kick den sie suchen, ist ein Orkan, der mit 250
Kilometern pro Stunde über den Gipfel braust. Jetzt weiß ich
auch wozu die Stahlseile an den Autos sind.
Die Abfahrt nach Le Vignan ist ein Wahnsinn, Kurven, Kurven und
nochmals Kurven, man kommt sich vor wie auf einem Karussell,
zwischendurch immer wieder Teilstücke mit frischem Split,
vielleicht hätte ich sie doch Vollkasko versichern sollen, aber
wo wäre dann mein Kick.
In Le Vignan nehme ich die D 999, bleibe in Ganges auf dieser
Straße Richtung Nîmes – noch 90 Kilometer, Beaucaire ich komme! Text und Fotos: Manfred Berwanger
Homepage:
www.arbeitsschutz-berwanger.de
Nützliche Adressen für diese Tour finden Sie
hier! |