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Bei Felix im Haus gibt es natürlich eine Menge Prospekte und Info-Material über Sehenswürdigkeiten
in den Regionen. Der Aubrac wirbt mit einem Plakat auf dem ein Granitkreuz am Rande eines Sees zu sehen ist. Zu dieser Zeit habe ich schon eine Fotoausstellung mit den Themen Wege und Kreuze geplant, was liegt also näher von diesem Kreuz eine authentische Aufnahme zu machen. Leider kann mir Felix keine Angaben machen, wo das Plakatfoto entstanden ist. Mein fotografischer Jagdtrieb ist somit geweckt.

Diesmal fahre ich von Mende die N85, weiter auf der D 56, den ersten See den ich mir näher anschaue liegt am Col de Bonnecombe – Fehlanzeige. Der nächste ist der Lac de Born, auch hier finde ich kein Kreuz, aber einen freundlichen Bauern, der mich fragt ob ich mich verfahren hätte.
Zu dem dritten See führt nur eine schlecht ausgebauter Feldweg, für ein Auto kein Problem, für die E-Glide eine Tortur. Auf der Karte ist der See mit Lac de Saint Andéol eingetragen, der Weg führt direkt daran vorbei.
Und dann sehe ich das Kreuz, noch bevor ich das Wasser sehe. Ein atemberaubender Anblick. Das Kreuz am See de Saint Andéol wird für das Werbeplakat der Region Aubrac verwendet!

Direkt neben dem See steht ein riesiger Bauernhof, der zum Verkauf steht. In Gedanken mache ich daraus ein Restaurant mit einer Herberge für Biker. Träume – aber schön. Lohnend ist ein Abstecher zum Aubrac, einem
vulkanischen Hochplateau, mit kahlen Kuppen, das sich wenige Kilometer westlich von Marvejols erhebt und größtenteils als Rinder- und Schafweide genutzt wird.
Die Sennhütten sind steinerne Zeugen dieser Weidewirtschaft. Ende Mai beginnt der traditionelle Viehauftrieb mit der Fềte de la Transhumance, wobei die Kühe mit Blumengebinden geschmückt sind.
Mit nur acht Menschen pro Quadratkilometer ist der Aubrac so gut wie unbewohnt. Da der größte Teil des Plateaus zwischen 1300 und 1400 Metern hoch gelegen ist, muß man sich auf frostige Temperaturen einstellen, dafür kann man aber im Winter unbegrenzt Langlaufen.

 

Obwohl Mönche anfingen den Boden zu kultivieren und Hänge mit mühsam aufgeschichteten Steinen (Bancèls) zu terassieren, war das Leben in den Cevennen entbehrungsreich . Erst durch die Anpflanzung von Esskastanienbäumen im Spätmittelalter, war Nahrung in ausreichendem Maße vorhanden. Doch diese einseitige Ernährung brachte gravierende gesundheitliche Schäden mit sich, scheinbar hat das aber jede Zeit, denn ein Burger oder ein Wopper ist auch nicht gerade gesundheitsfördernd. Die Cevennen blieben lange ein „Land ohne Brot“.

Obwohl dieses karge Land für Kühe nicht geeignet ist, haben die Subventionen der Europäischen Gemeinschaft bewirkt, dass jetzt Kühe auf den ehemaligen Schafweiden sind.

 

Felix fragt mich, ob ich gerne Fisch esse, sehr gerne sage ich, ohne zu ahnen was dieser Holländer im Schilde führt. Er kommt aus seiner Garage, drückt mir ein Plastikgefäß und eine Reiseangel in die Hand und meint lachend, wenn ich etwas fange können wir heute Abend Fisch essen. Eigentlich wollte ich zum Baden an den Lac de Charpal, ein ca. 4 Quadratkilometer großes Gewässer, aber gut, vielleicht fange ich etwas und kann diesem Schlitzohr zeigen, dass ich auch angeln kann. Von Mende nehme ich die N 106 Richtung Rieutort de Randon. Ich schraube mich mit der HD hoch bis auf 1300 Meter und bin nach 30 Kilometer in Rieutort de Randon. Nach dem Hinweisschild zum See sind noch 10 Kilometer auf der D 1 zu fahren, allerdings ist damit nach etwa 3 Kilometern Schluss. Eine Autoschlange hängt hinter einem Traktor mit Hänger, vollbeladen mit riesigen Strohrollen. Überholen mit dem Auto unmöglich, da der Traktor schon wieder von der nächsten Kurve verschluckt wird, aber ich habe ja kein Auto sondern ein wendiges Mopett. Nach 4 Überholmanövern habe ich dann wieder freie Fahrt und zuckele genüsslich mit 70 durch den warmen Samstagvormittag. Ich verlasse die D 1 und fahre über eine schmale, aber neue Asphaltstrasse durch eine Kiefernhain. Der Schatten tut gut, eine angenehme Kühle und der Geruch nach Harz lassen mich tief durchatmen. Das Ende des Wäldchens kommt plötzlich und unerwartet hinter einer Kurve, grelles Sonnenlicht blendet mich, ich muß vom Gas und bremse stark ab, als ich wieder sehen kann, sehe ich nur blau, soweit das Auge reicht – blaues Wasser .

 

Mein Badeplatz

Nachdem ich mich satt gesehen habe, bemerke ich erst die vielen Pkw und die Menschen am Rande des Sees, das Toben der Kinder und hin und wieder das Bellen eines Hundes, es ist ja Wochenende. Vor einem Großen Parkplatz gabelt sich die Strasse und ich wähle die Südwestliche Richtung, in der Hoffnung ein ruhiges Plätzchen zum Baden und zum Angeln zu finden.
Das ist natürlich leichter gesagt als getan, der Boden ist trocken und steinhart, wie soll ich da an einen Wurm kommen, den ich als Köder verwenden kann. In meiner Not versuche ich es mit Baguette und mit Räucherwurst, kein Biss. Nach einer Stunde ist mir klar, dass das Fischessen ausfällt. Seltsamerweise belastet mich das aber nicht, ich habe eher das Gefühl, da will mich jemand foppen. Ich schwimme noch eine Runde und mache mich dann über die mitgebrachten Tomaten, Käse, Baguette und Pfirsiche her. Nach einem Nickerchen im Schatten einer Kiefer, setze ich meine Fahrt fort.

Unterwegs entdecke ich Dutzende von Bienenstöcken, die Bienen sammeln den Nektar der Kastanienblüten und tragen damit zu einem lukrativen Nebenerwerb bei. Kastanienblütenhonig ist sehr schmackhaft.

Nach 8 Kilometern komme ich in Châteauneuf de Randon, einem mittelalterlichen Städtchen mit einem herrlichen Panoramablick auf die Hochebene Margeride. Dieser Lufterholungsort hat rund um den Marktplatz alle Häuser renoviert und damit einen wunderschönen Rahmen zum verweilen geschaffen.

Nachdem ich den Ort, der mir sehr gut gefällt, ein wenig inspiziert habe, kaufe ich mir eine neue Flasche Wasser und fahre über die D3 Richtung St. Amans.

Neben der Erholung, sind Fotografieren und Motorradfahren die wichtigsten Beschäftigungen in diesem Urlaub. Deshalb bin ich auch allein gefahren, so kann ich anhalten wo ich will und fotografieren was ich will.
Bei dem nächsten Halt hätte mich eine Mitfahrerin fragen können, hast du noch nie ein Pferd gesehen, doch, aber nicht eines in den Cevennen, es war ein massiger Kaltblüter mit seiner Familie. Manchmal ist es unheimlich auf den „Causses“, tagelang sieht man keinen Menschen, und doch begegnen einem überall die Spuren ihres Tuns, Zäune, kleine Steinhütten, Ansammlungen von Strohballen, manchmal stehen sogar Milchkannen an der Strasse.

Granitblöcke säumen die engen Strassen, mal ein Granit-Po, mal ein Küken hin und wieder auch eine Behausung.
Ich habe es nicht herausfinden können, warum ein Bergpass den Namen Col de Cheval Mort trägt. Es gibt viele Szenarien die möglich sind, es kann sich ebenso um ein Verbrechen handeln, wie um eine Naturkatastrophe in Form einer Schneeverwehung oder eines Temperatursturzes. Ich glaube eher an das Letztere, dass die Pferde in der eisigen Kälte, die in dieser Region plötzlich eintreten kann, verendet sind. Bei meinem nächsten Besuch in den Cevennen werde ich es wissen.

Die gleichen oder ähnliche Überlegungen kann man anstellen, wenn man den Pass der drei Schwestern erklären will, der übrigens auch in einer Höhe liegt, in der man sich im Winter besser nicht aufhält.

In St. Amans nehme ich die N106 in südlicher Richtung und fahre gemütlich nach Mende. Es ist kurz nach 17:00 Uhr als die Idee mich wie Blitz trifft, ich gebe Gas und suche in Mende ein Fischgeschäft, es gibt zwei. Im ersten sind nur noch Reste von Thunfisch, Kabeljau und Katfisch, im zweiten kann ich vier frische Forellen, direkt aus dem Becken erstehen, Felix wird Augen machen.

Kurz nach 18:00 Uhr biege ich in die Einfahrt, stelle das Motorrad ab und rieche – Fisch, Zweifel beschleichen mich, ob ich wirklich welche fangen sollte, oder ob das nur ein Ablenkungsmanöver mit der Angel von Felix war. Ohne mir etwas anmerken zu lassen, gehe ich Richtung Küche, drücke Anita den Plastikbehälter in die Hand und sage, „wir können heute Abend Forelle essen, ich habe vier Stück gefangen“. Die Blicke der beiden sprechen Bände, dann platzte Felix heraus „Ich habe nicht damit gerechnet, dass Du etwas fängst und auch noch Forellen, soviel ich weiß gibt es in diesem See gar keine Forellen“. Zu später Stunde, nach einem opulenten Mal von Rotbarbenfilets mit Roma-Tomaten und der vierten Flasche Wein habe ich dann gestanden.
Es war bereits Sonntagmorgen, als ich unsicheren Schrittes mein Zimmer aufsuche, die erste Runde habe ich dann im Sitzen geschlafen, es wäre schade um das Barbenfilet gewesen.

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