Von Hamburg durch die holsteinische Schweiz
von Christian
E-Mail: Christianxx@web.de
An
und für sich ist es für den echten Biker keine große
Herausforderung durch den Norden der Republik zu swingen.
Neben ein paar Maulwurfshügeln erhebt sich doch sonst rein
gar nichts und Kurven sind noch nicht erfunden, weswegen auch
nur gerade Straßen gebaut wurden.
Das diese Meinung falsch ist beweist der nachstehende
Bericht über eine Tour am 01. Mai 2001, gefahren mit einer
BMW R 1100 GS von Hamburg durch die holsteinische Schweiz bis
zur Ostsee.
Los ging es frühmorgens die ungeliebte Autobahn entlang
(A7) ca. 50 Kilometer bis zur Ausfahrt 15 (Neumünster - Süd)
auf die B 205 Richtung Trappenkamp.
Hier erwartete uns schon ein Vorgeschmack auf die
wunderbare Landschaft der holsteinischen Schweiz. Zur rechten
und linken erstrecken sich abwechselnd dichte Laub und
Nadelgehölze und freies Feld mit weiten Einblicken auf Felder
und leicht geschwungene Hügel.
Links ab, über eine kleine Straße bei Rickling geht es
zur B 404 (nur überqueren) und weiter über Tensfeld,
Damsdorf, Stocksee und Dersau nach Ascheberg.
Nach ca. 2 Stunden auf dem Bike ist jetzt die Zeit für
einen ersten Stop am Großen Plöner See - dem größten
Binnensee in Schleswig-Holstein .
Das
bekannteste Gebiet am Großen Plöner See ist ohne Zweifel die
Prinzeninsel die mit Ihren Lokalen und Bootsverleihen das
Hauptzielgebiet für ungezählte Senioren und/oder junge
Familien darstellt. Nun, man(n) kann sich inmitten von soviel
Trubel wohlfühlen, muss man aber nicht. Deswegen sei
angeraten bereits in Ascheberg dem Hinweis auf der rechten
Seite zu folgen und zum Strand zu fahren, dort könnt Ihr das
Motorrad abstellen und Euch in bequeme Stühle setzen und die
eindrucksvolle Szenerie des von vielen, teils seltenen,
Wasservögeln bevölkerten Sees auf Euch wirken lassen.
Mit ein bißchen Glück zieht Ihr die Aufmerksamkeit der
Bedienung auf Euch und bestellt dann ein (hoffentlich BSE
freies) "Holsteiner Schinkenbrot" für 13,00 DM
(lecker !!!).
Für die Aktiven kann ich auch das "Kanucenter Plön"
empfehlen, auf der Hauptstraße weiter Richtung Plön. Das
Kanucenter liegt zur rechten auf einem Campingplatz und
bietet, gerade für Anfänger, schöne Kanu Touren auf und um
den Plöner See.
So gestärkt geht die Fahrt weiter zur Herzogstadt Plön.
Bereits vor mehr als tausend Jahren wurde Plön zum ersten
Mal als Residenz eines slawischen Herrschers erwähnt, der am
Großen Plöner See seine Burg Plune errichtete. 1236 erhielt
Plön das Lübsche Stadtrecht verliehen, nachdem sich zu
Füßen einer Burg der Grafen von Schauenburg eine rege
Marktsiedlung entwickelte. Das Wahrzeichen der Stadt -das
Plöner Schloß- wurden 1633 bis 1636 im Spätrenaissance-Stil
erbaut. Nach dem Ende des Plöner Herzogtums erwählten die
Dänischen Könige Plön als Sommerresidenz. Zur Preußenzeit
wurde Plön im Jahre 1867 Kreisstadt.
Wer will kann hier ein bisschen durch die hübsche Altstadt
bummeln oder aber wie wir, dem Geruch des Meeres folgen und
die B430 Richtung Lütjenburg und Hohwacht fahren. Hier lockt
die Ostsee und das immervolle (viel zu volle !) Ferienzentrum
Weissenhäuser Strand.
So, den Strand schon fast vor Augen kommt nun die Stelle
für den Masochisten unter uns, denn wir fahren kurz vor
Lütjenburg, bei Dannau rechts ab und weg vom Meer –
Richtung Süden – über Sieversdorf nach Bad Malente. Hier
solltet Ihr Euch die Glasbläserei anschauen).
Dann weiter Richtung der Rosenstadt Eutin am Kellersee
vorbei. Schön langsam fahren, denn es gibt rechts und links
viel zu gucken. Der Kellersee schmeichelt dem Auge mit seinem
wie gemalt gestalteten Ufer und den leicht geschwungenen
Landzügen. Etwas für den Romantiker in uns allen.
In
Eutin angelangt wandeln wir auf den Spuren Carl Maria von
Weber's durch den historischen Stadtkern von Eutin oder
genießen ein leckeres Eis und sitzen in einem der Cafes oder
ganz locker an der Uferpromenade.
Nun aber weiter Richtung Meer. Und diesmal wird nicht
abgebrochen, diesmal werden wir bis zum Strand fahren.
Vermeiden wollen wir die B 76 und fahren deshalb über
herrliche enge und für norddeutsche Verhältnisse
kurvenreiche Straßen über Barkau, Richtung Süsel und zur
Endstation Haffkrug.
Diese kleine Gemeinde liegt direkt an der Ostsee, nur ca. 6
Km vom wesentlich bekannteren (und immer überfüllten)
Timmendorfer Strand entfernt.
In Haffkrug macht nur der eingeweihte Besucher halt, die
anderen, entweder auf dem Weg zur Insel Fehmarn oder eben zum
Timmendorfer Strand können mit diesem Fleckchen weniger
anfangen.
Gut so ! Ein Strandkorb war frei für uns und so genossen
wir das leichte Rauschen der Ostsee, die nackten Füße im
warmen, feinen Sand und ließen "den lieben Gott einen
guten Mann sein".
Nachdem wir ein kleines Nickerchen nicht vermeiden konnten,
setzten wir uns gut gestärkt und voller Tatendrang wieder auf
unsere Maschine und fuhren über die "Deutsche
Ferienstraße Alpen – Ostsee" rechts von der B 76
Richtung Rönitz, Gleschendorf, Sarkwitz und Malkendorf nach
Dissau, Goldenbek zur B 206 Richtung Bad Segeberg.
Bad Segeberg, der Ort der Karl May Festspiele eignet sich
hervorragend als Übernachtungsstation bei mehrtägigen
Touren. Umgeben von der charakteristischen hügeligen Wald-,
Knick- und Seenlandschaft Schleswig-Holsteins findet hier der
Biker einige außerordentlich schöne und abwechslungsreiche
Strecken zum selber entdecken. In Bad Segeberg treffen sich
nicht weniger als drei Bundesstraßen in jede Richtung ,also
genug Raum um immer mal wieder die Bundesstraßen zu verlassen
und zu versuchen, trotz mangelhafter Ausschilderung abseits
der großen Route, die kleinen Dörfer zu erkunden. Viel
verfahren kann man sich nicht, da immer wieder irgendeine der
Bundesstraßen den richtigen Weg weißt.
Nun, wir mussten zurück und fuhren so das letzte Stück
auf der B 432 über Norderstedt nach Hamburg.
Am Ende dieses schönen Tages hatten wir 321 Km
zurückgelegt und die feste Erkenntnis gewonnen, dass wir zwar
nicht unsere jährliche Dolomiten Tour absagen werden, aber
eine nächste Tour über
2 Tage mit Besuch des Hai Aquariums auf Fehmarn eine
Notwendigkeit ist.
Schönes Schleswig – Holstein, Du hast 2 Freunde mehr ! |